Posts filed under 'Creative Commons'
Heute Abend steige ich in den Zug Richtung re:publica und möchte kurz auf ein von mir moderiertes Panel “Creative Commons - Tools for the Remix-Generation” hinweisen. Es diskutieren Mario Sixtus (Elekrischer Reporter, hoffentlich), Jürgen Werwinski (NDR) und Nicole Ebber (zeitgeisty.cc). Nach fünf Jahren CC ist die Phase” Wie geht das? Aha. Praktisch, dass es das gibt!” abgeschlossen. Wir wollen das Phänomen mal näher beleuchten:
Wer wendet cc eigentlich an? Ist es nur ein Baukasten-Lizenzsystem für Kreativ-Dilettanten? Oder nutzen es auch Vertreter der klassischen Medien/Kunstwelt? Sind freie Inhalte eine Grundbedingung, damit mündige Netzbürger ihren digitalen Alltag leben können?
Hat jemand weitere Diskussionspunkte? Fragen, die er/sie immer schon mal stellen wollte? Bitte in die Kommentare.
Und jetzt verstaue ich noch eine Dreiersteckdose in meiner Reisetasche. Wie auf jeder Blogger/Nerdkonferenz wird mir das viele neue Freunde bescheren 
April 1st, 2008
Hardcore-Fans freier Software versuchen oft auf diese Art, Nutzer proprietärer Software zu bekehren: “Waaaaas? Du benutzt immer noch Windows? Wie minderbemittelt bist du eigentlich?!” Aus eigener Anschauung weiß ich: Die Strategie ist selten (nie) von Erfolg gekrönt. “Bekehren” ist sowieso der falsche Ansatz. Man muss verführen. Mit einfachen zu installierenden & bedienbaren Anwendungen. Und man muss den Leuten (vor allem den Mädels) die Angst nehmen. Viele denken nämlich immer noch, dass der Einsatz freier Software ein Informatiker-Grundstudium erfordert. Das war mal so, aber mit (K)Ubuntu (Danke Mark!) und z. B. der Bloggersoftware Wordpress sind die Zeiten vorbei.
Das ist eine der Lehren, die Axel und ich aus dem “Open Sources” Workshop ziehen, den wir im Rahmen der Medienwerkstatt der Sozialistischen Jugend Linz gegeben haben. Wordpress fanden alle Teilnehmer super. Wikis auch. Die Grundidee freier Software sowieso.
Beim Thema freie Inhalte gab es auch noch einige interessante Offenbarungen - dazu vll. später.
PS: Mit Jugendlichen arbeiten ist super. Ist aber auch anstrengend, wenn 140 Jugendliche um einen herumtoben. Ich könnte problemlos eine Woche nachschlafen.
PPS: Sachertorte ist überbewertet.
January 11th, 2008
Die Literaturliste für das Seminar “Netzwerkgesellschaft und Nachhaltigkeit: die Teilhabe an der kulturellen Produktion” (zusammen mit Rolf Grossmann an der Leuphana Universität Lüneburg) steht. Im Kern soll es im Seminar darum gehen:
- Begriff von Nachhaltigkeit für die digitale Welt entwickeln. Weil: Konzept der Nachhaltigkeit ist auf die analoge Welt gemünzt und passt nicht auf digitale Umgebungen; Information wächst durch Teilung, Abwesenheit von Knappheit usw. Nur von nix kommt nix, also ich will sagen es gibt ja bestimmte Gründe, warum sich im Netz wertvolle, spannende, innovative Dinge/Anwendungen/Projekte/Files/Plattformen finden. Stichwort Code is law, Net Neutrality etc… Wie müssen die kulturellen, politischen, rechtlichen, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beschaffen sein, damit das Netz weiter der offene Abenteuerspielplatz bleibt, den wir so sehr lieben?
- wie schafft man mehr (digitale) Verteilungsgerechtigkeit?
- …
Hier die Literaturliste. Als Service für alle, die noch Material für ihre Magisterarbeit suchen.
Und wer ein paar Antworten weiß, der darf sie gerne posten.
READER:
Barlow, John Perry: A Declaration of the Independence of Cyberspace. Electronic Frontier Foundation
Boyle, James: Eine Politik des geistigen Eigentums: Umweltschutz für das Internet? In: Hofmann, Jeanette (Hg.): Wissen und Eigentum. Geschichte, Recht und Ökonomie stoffloser Güter. Bonn 2006, S. 21-38
Castells, Manuel: Informationalismus und die Netzwerkgesellschaft. In: Himanen, Pekka: Die Hacker-Ethik und der Geist des Informations-Zeitalters. München 2001, S. 179-204
Doctorow, Cory/ Richter, Meike: Kopieren als Chance. NDR Online vom 10. Oktober 2007
Dreier, Thomas/ Nolte, Georg: Einführung in das Urheberrecht. In: Hofmann, S. 41-63
Euler, Ellen: Creative Commons: Mehr Innovation durch die Öffnung des Urheberrechts? In: Drossou, Olga/ Krempl, Stefan/Poltermann, Andreas: Die wunderbare Welt der Wissensvermehrung. Wie Open Innovation unsere Welt revolutioniert. Hannover 2006, S. 147-158
Gehring, Robert A.: FOSS, die Firma und der Markt. In: Hofmann, S. 279-297
Heidenreich, Martin: Merkmale der Wissensgesellschaft (Papier für die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung). In: Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung u.a. (Hg.): Lernen in der Wissensgesellschaft. Innsbruck 2002, S. 334-363
Hofmann, Jeanette/ Katzenbach, Christian: Einleitung. In: Hofmann, S. 9-20
Krempl, Stefan: WOS 4: Geldverdienen mit freier Musik funktioniert
Krempl, Stefan: Weniger privat kopieren, mehr Vergütungspauschale zahlen
Kuhlen, Rainer: Napsterisierung und Venterisierung - Bausteine zu einer politischen Ökonomie des Wissens. In: PROKLA - Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft. 32, 4/2002. 2002
Lanier, Jaron: Digitaler Maoismus. Kollektivismus im Internet, Weisheit der Massen, Fortschritt der Communities? Alles Trugschlüsse
Luyt, Brendan: Who benefits from the Digital Divide?
Lovink, Geert: Zugriff verweigert.
O’Reilly, Tim: What is Web 2.0? Design Patterns and Business Models for the Next Generation of Software
Richter, Meike: Ende des Popcorn-Kinos? In: Directed. Februar 2007, Berlin, S. 26f
Spielkamp, Matthias: Andere Zeiten, andere Lizenzen.
WEITERFÜHRENDE LITERATUR
Castells, Manuel: The Rise of the Network Society. Second Edition. Oxford 2000
Grassmuck, Volker: Freie Software. Zwischen Privat- und Gemeineigentum. Bonn 2004
Ghosh, Rishab Aiyer: Code. Collaborative Ownership and the Digital Economy. Cambridge 2005
Haring, Bruce: MP3 - Die digitale Revolution in der Musikindustrie. Freiburg 2002
Kreutzer, Till: Das Spannungsfeld zwischen Wissen und Eigentum im neuen Urheberrecht. In: Hofmann, S. 109-140
Lessig, Lawrence: Free Culture. New York 2004
Röttgers, Janko: Mix, Burn & R.I.P.: Das Ende der Musikindustrie. Hannover 2003
Steinmetz, Ralf: Multimedia-Technologie. Grundlagen, Komponenten und Systeme. Berlin 1999
Der Sammelband “Wissen und Eigentum” von Jeanette Hofmann/Christian Katzenbach ist exzellent. Steht frei im Netz und kostet ansonsten nur 2 Euro. Die Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht in dem Themenbereich gute Sachen.
Allen Lesefaulen, die sich nie an die über 1000seitige Trilogie von dem Castells rangetraut haben, sei sein Aufsatz im Himanen-Buch ans Herz gelegt. Da erklärt er auf wenigen Seiten seine Theorie der Netzwerkgesellschaft. (Nein, ich habe die Trilogie auch nicht vollständig gelesen. Aber den ersten Band!)
October 22nd, 2007
Am 8. September (Samstag) halte ich einen Vortrag im Newthinking Store (Berlin).
Thema: “Free Culture? Ausbeutung 2.0 oder Aufbruch in die Netzwerkgesellschaft?”
Essen 400 Menschen einen Apfel, hat niemand etwas davon, am wenigsten der Apfel. Laden sich 400 Menschen einen File aus dem Netz, profitieren alle – vor allem das File: Immaterialgüter wachsen durch Teilung. Das Urheberrechtssystem Creative Commons trägt dieser Eigenschaft Rechnung und bietet den juristischen Rahmen für das freie Tauschen. Musiker, Filmemacher und Autoren experimentieren in digitalen Datenräumen mit alternativen Finanzierungs- Produktions- und Distributionsmodellen. Wo liegen die Chancen, wo die Risiken?
Ich möchte ein bisschen kulturwissenschaflich ins Thema einsteigen. Creative Commons & Co. gibt es nun schon einige Jahre, da kann man mal den Versuch wagen, das ganze kritisch aus diversen Perspektiven zu beleuchten. Was ich damit meine? Da müsst ihr schon vorbeikommen!
August 1st, 2007
Heute habe ich einem Profi-Fotografen, dem netten C., den Tag versaut, vielleicht ein bisschen sein Berufsleben. Obwohl nicht ich an seiner Misere schuld bin, ich habe ihm bloß gezeigt, was fotomäßig im Internet geht. Ihm wurde plötzlich klar, dass er sein Geschäftsmodelle einpacken und bei ebay versteigern kann oder so. Es ist nutzlos, nutzloser, am nutzlosesten.
Ich habe C. erklärt, was creative commons ist und ihm auf flickr exzellente Bilder gezeigt, die unter der By-Lizenz stehen, wo die Urheber also auch die kommerzielle Nutzung zulassen.
C.s hat erstmal Bauklötze über die künstlerische Qualität der Bilder gestaunt. (Ich auch, zugegeben. Manchmal habe ich schon den Eindruck, dass cc das Urheberrecht der Dilettanten ist. Es gibt viel Nichtgelungenes, was ich lieber nicht angesehen/gehört hätte. Das ist eben so, wenn jeder die Freiheit hat, sich künstlerisch auszudrücken.) Und dann ging ihm auf, dass auch seine potentiellen Kunden von den Bildern begeistert wären - und sie kostenlos nutzen würden, anstatt ihn als Fotografen zu engagieren und zu bezahlen.
Kann ein Hamburger Profi-Fotograf mit dem weltweiten Bilderpool flickr konkurrieren, wo es viele tolle Motive gibt, und immer auch welche, die sogar die kommerzielle Nutzung erlauben? Nein, da brechen Märkte einfach weg. Und auf seine entgeisterte Frage: “Aber warum geben die Leute ihre Sachen umsonst weg?” weiß ich nur die Antwort, dass man im Internet nicht durch den Verkauf von Informationen verdient. Es herrscht halt keine Knappheit, Information wächst durch Teilung. Und Bilder sind eben auch nur Einsen und Nullen.
Die Fotografen erwischt es härter als die Musiker, Filmemacher oder Autoren:
Musik
Seit Thinner, Jamendo, Magantune etc wissen wir, dass man sehr wohl Geld verdienen kann, obwohl das Produkt frei erhältlich ist. Plus: Ich zum Beispiel kaufe mir immer noch CDs, auch wenn ich alles umsonst haben könnte. Ich will halt im Booklet lesen, wem der Künstler dankt (der Mama, der Freundin, im Falle von Amerikanern noch Gott).
Film
Film und Kino, das ist immer auch ein soziales Ereignis, da geht man hin, auch wenn jeder Streifen nur wenige Clicks entfernt kostenlos zu haben ist. Oder man hat keine Lust, sich das bittorrent runterzuladen, das kann auch nicht jeder. Oder man gibt seinen Film frei weg via Internet, nutzt aber videohoster wie blip.tv, die die Filmemacher vergüten. Gibt anscheinend einen Werbemarkt dafür.
Texte
Für Autoren ist das Netz keine Bedrohung, sondern ein Segen - können sie es doch als Öffentlichkeitsplattform nutzen, und da niemand am Bildschirm ein Buch liest, kaufen sich alle sowieso ein gebundenes Exemplar. Hat Cory Doctorow in diesem Interview wunderbar erklärt.
Bilder???
Pffff, keine Ahnung, wird eng. Bedarf an Fotografen wird es immer geben, für Auftragsarbeiten, aber sowas wie Mottobilder für den Geschäftskatalog holen sich sich die ehemaligen Kunden dann für lau bei flickr.
Ist cc also böse und beraubt der knipsenden Zunft ihre Zukunft?
Nein. Es vollzieht sich ein Paradigmenwechsel, und Immaterialgüter wie digitale Fotografien passen nicht in analoge Denkschemata und Geschäftsmodelle. Die Fotografen müssen sich andere Einnahmequellen suchen. Das ist natürlich beunruhigend und beängstigend. CC ist nicht dafür verantwortlich, wie die Menschen das Netz nutzen. Man könnte den CC-Vordenkern höchstens vorwerfen, dass sie die positiven Aspekte der sharing-economy überbetonen, während schwierige Aspekte wenig diskutiert werden. Letztlich kann aber keiner verlangen, dass cc & co. die Probleme derer lösen, die versuchen, in der digitalen Welt genauso weiterzuarbeiten, wie sie das vor dem Internet gemacht haben.
Klingt wenig tröstlich? Ich weiß. Man muss halt herumexperimentieren. So gesehen habe ich vielleicht seinen Tag geretten - jetzt weiß er, was auf ihn zukommt und kann sich drauf einstellen ;-).
July 4th, 2007
Als Schmanckerl: Der Film “Starwreck - In the Pirkinning” steht unter einer freien creative commons-Lizenz, seine Macher haben ihn eigenhändig in p2p-Netze eingespeist. (Hintergründe hier.) Lustigerweise haben chinesische und russische Profi-Piraten den Film als DVD rausgebracht. Hier die Beweisfotos:


Haben Samuli und Stephen ziemlich stolz auf ihrem iCommons-Workshop herumgezeigt. Ist auch wirklich originell.
Ich habe den Film inzwischen auch gesehen - obwohl ich Starwars doof finde und überhaupt mit Science Fiction wenig anfangen kann, eher so aus professionellem Interesse. Und was soll ich sagen? Ich hatte einen 1a-albernen Fernsehabend! Allein die Eingangsszene: Der Emperor schreitet auf Kommandodeck und schleift einen Streifen Klopapier hinter sich her. Oder wie der Emperor mit einem Gamer-Joystick das feindliche Kampfschiff abschießen möchte. Genau meine Humorlage! Der Film ist gut, mit Liebe gemachter Nonsense. Die Kampfschiff-Weltallszenen sind beeindruckend. Positiv überrascht. Man muss ja schon sagen, die meisten freien Produktionen sind ja nicht immer Griffe in die Glückskiste der Unterhaltung - Starwreck ist ein Glücksgriff, eindeutig.
June 25th, 2007
Switching to German again, sorry for the Non-German-Speakers. Markus von netzpolitik.org hat interessante Interviews mit Vera Franz (Open Society Institute) and Lawrence Liang geführt. Letzterer kann seine Visitenkarten mit der Berufsbezeichnung “Piraterieforscher” zieren. Ich fand Lawrence Liang beeindruckend, und werde demnächst mal was von ihm lesen.
June 24th, 2007
Cory Doctorow is a dream come true as an interview partner. Very precise, puts not-easy-to- understand-internet-stuff-issues into words so that everybody gets the message. Since it will take time until I can transcribe the interview, here some quotes & essentials:
- “The ancient parabel of the Internet: The more valuable a file is, the more widely distributed it becomes.”
- “When 400 people eat an apple, noone benefits, especially the apple. When 400 people share a file, everyone benefits, especially the file.”
- “It will never get harder to copy things. It will only get easier. And that’s good.”
- “Of all the people who don’t buy my books today – most don’t buy them because they never heard of them. Not because someone gave them a free copy.”
- “The problem for most authors is not piracy, it is obscurity.” (Cory cites Tim O’Reilly)
- “I have so many friends now I never met. Because I live on the Internet.”
June 24th, 2007
Fred Benenson from freeculture.org took a group photo of all participants on the roof of the Revelin (old fortess), where most of the summit happened.
June 20th, 2007
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