Großbritannien besteht aus Kameras (Eigenwahrnehmung). Und, bringt’s was? Die Metropolitan Police sagt nein:
Det Ch Insp Mick Neville said the system was an “utter fiasco” - with only 3% of London’s street robberies being solved using security cameras.
Via Surveillance Studies.
May 6th, 2008
Der CCC hat den Fingerabdruck des Wolfgang S. stibitzt und veröffentlicht. Während die gut gelaunten Hacker das Land mit biometrischen Panini-Alben überschwemmen, sitzt Wolfgang S. kochend vor Wut mit seinen engsten Beratern in seinem Berliner Büro. Hektisch rollt er auf und ab.
Wolfgang S: Verflucht, wie stehe ich jetzt da?! Jetzt glaubt mir keiner mehr, dass der biometrische Pass sicher ist!! Und ich will meinen Abdruck zurück, der gehört mir! Wer ist dafür verantwortlich?
Berater 1: Der CCC…
Wolfgang S.: … hören Sie auf zu stottern, man!
Berater 1: Der Chaos Computer Club. Das sind so Leute, die machen was mit Computern und legen Wert auf ihre Privatsphäre.
Wolfgang S.: Hä? SOLANGE ICH HIER CHEF BIN KÖNNEN DIE SICH IHRE PRIVATSPHÄRE IN IHRE UNGEWASCHENEN HAARE SCHMIEREN! Egal, können wir die wegsperren?
Berater 2: Nun, es ließe sich was konstruieren… schließlich haben sie den Fingerabdruck bekommen, indem sie ein von Ihnen berührtes Glas mitgenommen haben, das war auf einer Podiumsdiskussion…
Wolfgang S.: Genug, dann sperren wir die weg!! ALLE!!
Berater 2: Chef, ich würde das nicht empfehlen, das gibt schlechte Presse. Wir sollten besser…
Wolfgang S.: Presse? Die sperren wir mit weg! Da konstruieren wir auch was…
Berater 1: Geheimnisverrat, Terrorismus, jaja, das kriegen wir hin. Ich rufe gleich die Monika an.
Wolfgang S.: So machen wir es! ALLE wegsperren! Und nur wer täglich 100 Mal: “Ich darf keine biometrischen Daten klauen oder darüber berichten” betet, kommt vor 2015 wieder raus!
Berater 2: Naja, wir sollten besser sagen, dass diese Sache kein Problem für Sie ist. Veröffentlichen Sie lieber ein Statement, so in der Art: “Das lässt mich kalt. Ich habe nichts zu verbergen und damit nichts zu befürchten. Jeder kann meine Abdrücke haben.” Wir sollten abwiegeln. Dann vergessen die Leute die Angelegenheit schneller.
Wolfgang S.: Was? Wir sollen die Hacker davonkommen lassen? Und ich? Was wird aus mir? Und aus meinem geklauten Fingerabdruck? Kann ich neue Finger kriegen? Ich will neue Finger, sofort!
Berater 1: Ja, also ich kenne da einen Chirurgen… das lässt sich machen. Außerdem sollten sie ab sofort nichts mehr anfassen.
Wolfgang S.: Och, nö. Kann ich nicht Finger haben, die überhaupt keine Abdrücke mehr hinterlassen?
Berater 1: Äh, ich informiere mich mal. Ansonsten könnten Sie zusätzlich einen persönlichen Assistenten einstellen, der immer alle von Ihnen berührten Gegenstände abwischt.
Wolfgang S.: Ja, gut. Ich will so einen Assistenten! SOFORT!
Die aktuelle Ausgabe des CCC-Vereinsorgans “Datenschleuder” inklusive biometrischem Sammelalbum lässt sich hier bestellen.
March 30th, 2008
Im Supermarkt meines Vertrauens arbeiten nette Kassiererinnen, doch langsam treiben sie mich in den Wahnsinn. Wir spielen seit Jahren den Plot aus “Und täglich grüßt das Murmeltier” nach. Szene an der Kasse:
Kassiererin: Haben Sie eine Kundenkarte?
Ich: Nein
Kassiererin: Möchten Sie eine haben?
Ich: Nein, ums Verrecken nicht.
Kassiererin: Das macht dann soundsoviel Euro.
Ich: Hier.
Kassiererin: Danke. Schönen Tag noch.
Ich: Ihnen auch.
Manchmal habe ich den halbherzigen Versuch unternommen, den Damen zu erklären, warum ich keine will (von wegen “für die paar Cents verrate ich der Lebensmittelindustrie doch nicht mein Konsumverhalten, und dann verkaufen die mein Datenprofil für viel Geld weiter” usw), aber meine Ausfälle aus unserem Ritual haben die Damen nicht beeindruckt.
Letzte Woche hat mich am Eingang des Marktes eine Kundenkartenwerberin abgefangen, wieder haben wir den Dialog (s. o.) durchexerziert, an der Kasse dann nochmal. Das war mir zuviel. Ich überlege jetzt, meine Parts des Dialogs auf Tonband aufzuzeichnen und bei Bedarf abzuspielen. Oder ich überzeuge die Damen, unsere Szene mal zu tanzen. Gesprochen wird es mir einfach zu monoton.
February 11th, 2008