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Linearität ist Schwerstbehinderung

Netzahnunghaber wundern sich seit ewig, wie sich etablierte Fernsehsender im Internet aufführen. Mario Sixtus, einer der schlauesten Netzahnunghaber überhaupt, watscht in dem Beitrag “Fernsehen, sei umschlungen!” alle elegant ab, die immer noch ans lineare Bewegtbild glauben. Der Text ist auf sueddeutsche.de erschienen, Auszüge:

Technologischer Wandel und der mit ihm verbundene Niedergang existierender Industrien sind per se kein neues Phänomen. Von den 100 größten Aktiengesellschaften, die im Jahre 1900 an der New Yorker Börse gelistet waren, existierten hundert Jahre später nur noch zwei. Neu ist allerdings die Geschwindigkeit der Veränderungen. Und vermutlich ist es diese Dynamik, die erstaunlich viele Zeitgenossen aus der Medienbranche in das reflexive Verhalten eines alten Hausmeisters flüchten lässt. Erstens: das haben wir schon immer so gemacht, zweitens: da könnte ja jeder kommen, drittens: hier dürfen Sie nicht parken.

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Alte Männer in maßgeschneiderten Anzügen und mit selbstzufriedenen Untertönen in den Stimmen erzählen auf diesen Podien dann immer wieder gerne, dass speziell ihre Fernsehsender starke Marken besäßen, hervorragend aufgestellt und gewappnet für die digitale Revolution seien, dass die Zukunft sowieso nur irgendwie eine buntere Version der Gegenwart und überhaupt sooo schlimm schon nicht werden wird. Zu solchen Gelegenheiten darf auch Gerhard Zeiler, Vorstandschef der RTL-Gruppe, so lustige Sätze sagen wie: “Das traditionelle Fernsehen wird auch in der digitalen Zukunft das Leitmedium Nummer eins bleiben.” Klar, Herr Zeiler, und diese kleinen, knatternden, benzingetriebenen Fahrzeuge werden nie zu einer Konkurrenz für eine anständig dampfende Eisenbahn.

(…)

Der Punkt mit der dezentralen Distribution gefällt mir besonders:

Dezentrale Distribution? Zur Erläuterung hilft eine kleine Rückblende zum beispiellosen Erfolg von Youtube: Als drei junge ehemalige Mitarbeiter des Internet-Bezahldienstes Paypal Anfang 2005 begannen, mit Videos im Web zu experimentieren, existierten online bereits etliche ähnliche Plattformen. Die Konkurrenz von Vimeo.com hatte schon ein paar Monate Vorsprung, andere Projekte, etwa das aus Israel stammende Metacafe.com, waren zu diesem Zeitpunkt sogar schon jahrelang aktiv. Auch Flash hatte sich bereits als Quasi-Standard für Videosströme etabliert. Das wirklich Innovative an Youtube war lediglich der Ansatz, nicht nur “Video on Demand” auf einer zentralen Plattform anzubieten, sondern auch “Video to go”, Filme zum Mitnehmen. Der Senkrechtstart der Youtuber basierte einzig und allein auf der kleinen Funktionalität, die es jedermann erlaubt, mit Hilfe eines kleinen Code-Schnipsels Youtube-Videos mitsamt einem Player in eigene Webseiten einzubetten…

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Diese simple und unerhört effektive Methode, die eigenen Nutzer – oder wie es früher hieß: Zuschauer – Bewegtbilder wildwuchsartig im Web verteilen und vervielfältigen zu lassen, statt das Publikum zu sich zu befehlen, mag für die Youtube-Gründer einleuchtend gewesen sein. Medienmachern der alten Schule musste diese Vorstellung nachgerade bizarr erscheinen: Eigene, teuer produzierte TV-Ware sollte plötzlich in den Blogs fremder Menschen auftauchen? Vielleicht sogar angereichert um kritische Kommentare? Die Hoheit über die Verbreitung dem Mob schenken? Wozu dann überhaupt diese aufwendigen Portalseiten?

Sixtus schreibt auch über den Tod der Sendermarke:

Auf Hulu.com sollen US-Zuschauer bald TV-Serien und Filme der Premiumklasse genießen können, darunter Schlager wie “Heroes”, “CSI”, “Simpsons” und “Prison Break”. Auf Wunsch Full-Screen und in HD-ähnlicher Qualität. Gleichzeitig werden die Hulu-Inhalte auf namhaften Partnerseiten wie AOL, MSN und Yahoo zu sehen sein und wer will, kann eine Serienfolge sogar ratzfatz in die eigene Website einbauen.

Wer ein wenig Phantasie hat, kann erahnen, welche lautstarken Strategiediskussionen in den NBC- und News-Corp.-Chef-Etagen diesem Projekt wohl vorangegangen sind. Denn sosehr das ungebündelte Hulu-Konzept dem Nutzungsverhalten im Internet entgegenkommt, es opfert zugleich die heilige Kuh der TV-Welt: die Sendermarke. Vielleicht hat während dieser hitzigen Debatten sogar ein kluger Mensch eingeworfen: “Die Sendermarke interessiert im Netz sowieso keinen Menschen mehr.” Und falls dies so gewesen sein sollte, hätte dieser kluge Mensch zweifellos recht gehabt.

Add comment July 8th, 2008

Big Buck Bunny

Der neue Blender-Film Big Buck Bunny steht ab Freitag im Netz.

Add comment May 29th, 2008

Wo muss man klicken?

Die Nachricht über die Veröffentlichung der ARD Mediathek (Testversion) geistert seit einigen Tagen durchs Netz. Die Maus, der Elefant und der Armin erklären in diesem charmanten Video, wie sich das Portal bedienen lässt. (”Wortwolke” nehme ich in mein persönliches Internet-Erklär-Repertoire auf.) Ich persönlich bin ganz froh über die Orientierungshilfe… das mit der Übersichtlichkeit lösen die hoffentlich noch etwas eleganter. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Bildqualität ist gut. Dass je nach Sender und Format die Videos verschieden ausgespielt werden nicht.

Update 18.05.: Am letzten Donnerstag ist der Testversion-Vermerk verschwunden. Und diverse von mir geschaute Videos, die in den ersten Tagen noch in guter Qualität abrufbar waren, pixeln seitdem wischi-waschi vor sich hin.

Add comment May 13th, 2008

re:publica: Der Rückkanal stimmte

Ich weile momentan in Amsterdam auf der “Economies of the Commons” Konferenz. Themen sind spannend, aber hier fehlt eindeutig der Rückkanal. Es gibt kaum Zeit, den Vortragenden Feedback zu geben, zu kritisieren. Das ist ein Verlust, ich bin kein Fan des Modells “Vorne-spricht-einer-und-der-Rest-lauscht-andächtig”. Das war auf der re:publica anders, da herrschte eine viel offenere Diskussionskultur. Kein Wunder, Blogger machen ja den lieben langen Tag nichts anderes als zu kommentieren und Ideen und Positionen anderer auseinander zu nehmen. Das ist gut, es bringt Projekte und Ideen voran. Blogger wenden Open-Source-Prinzipien auf Kommentarkultur an - so kann man es vielleicht zusammenfassen.

Ansonsten bin ich heute geistig etwas zerzauselt. Gestern war die Premiere des neuen Blender-Films “Big Buck Bunny”. Paul hat die Konferenzteilnehmer netterweise eingeschleust. Es wurde spät. Sehr spät.

Mochte den Film, aber “Elephants Dream” liegt mir mehr am Herzen. “Big Buck Bunny” ist voller putziger Tierchen, Fell spielt eine große Rolle. Und harmonische Regenbogenfarben. ED war dunkel und verstörend, das ist eher meins. Ende Mai soll der Film im Netz stehen.
Ansonsten habe ich meine Netzteil in Hilversum liegen lassen und bin leicht panisch. Mit Glück kommt es abends zu mir zurück. Bitte bitte.

Add comment April 11th, 2008

Projekte, die die Welt braucht #2: RSS-Multimedia-Papierzeitung

Die Videoplattform Miro ist in Version 1.2 erschienen. Meine nerdiges Umfeld hält große Stücke auf Miro, weil: funktioniert, unabhängiges Projekt, kann so ziemlich jedes Format, ist Open Source, inklusive Bittorrent-Client, greift auf die Inhalte diverser Videoplattformen zu usw usw usw. Man kann eigene Fernsehchannel aufmachen, via Video-RSS. Details bei heise, heise, golem, chip. Ich habe mir das vor einigen Wochen installiert und bin jetzt auch Fan. Für die Nicht-Nerds in einem Satz zusammengefasst, warum Miro unsere Herzen erobert: Miro ist wie iTunes, bloß viel besser weil kann viel mehr. Die Kombi Videoplayer mit RSS ist bestechend. (RSS ist sowieso das am meisten unterschätzte Web 2.0-Feature, aber das ist ein andere Thema.)

home-logo-revised.png

Hier geht’s zum Download. Die Miro-Macher haben Sendungsbewusstsein, sie wollen Fernsehen demokratisieren, Grassroots-Media.

Television is the most popular medium in our culture. But broadcast and cable TV has always been controlled by a small number of big corporations. We believe that the internet provides an opportunity to open television in ways that have never been possible before. Miro is designed to eliminate gatekeepers.

Bin da skeptisch. Fernsehen ist so… Couchkartoffel-passiv. Das gilt auch für offenes Internetfernsehen, wo jeder einstellen darf. Egal, Hauptsache es gibt unabhängige Lösungen, Auswahl ist immer gut.

Torsten wünscht sich Miro für mobile Geräte. Weil der Rechner zu sehr ablenkt, er kommt kaum zum gucken. Das Problem kenne ich.

Ich träume schon lange von einer Kreuzung zwischen Multimediaplayer und Zeitung. Ich wünsche mir sowas wie den Daily Prophet, das ist die Multimedia-Zeitung bei Harry Potter.

daily_prophet.jpg

Sie hat neben Text auch Audio und Video. Das wär’s: Am Frühstückstisch mit der Zeitung knistern, lesen, und dann spielt sie einem noch Videos ab. Die Inhalte möchte ich mir natürlich selbst via RSS zusammenstellen. Etwa so: Politikteil der SZ, dann neueste Artikel meiner abonnierten Blogs, Nachrichten aus der Netzwelt und alles durchsetzt von Videosequenzen.

2 comments March 22nd, 2008

Playmobil macht eine schlechte Figur

Playmobil pfeift auf die Kunstfreiheit und pocht darauf, selbst zu entscheiden, wer was mit seinen Firguren anstellt - im Namen des Urheberrechts. Ein Video mit trinkende Playmobilfiguren in der Disco, die zu den Klängen des Songs “I sexy” über die Tanzfläche schieben? Das wollen sie verbieten. Hintergründe bei netzpolitik.org und beim betroffenen Hamburger Künstler Plemo. Bei YouTube gibt es einen Ausschnitt aus dem Video.

1 comment March 9th, 2008

Filmliste Überwachung

Fiete Stegers hat eine Liste mit Filmen zusammengetragen, die sich mit Überwachung beschäftigen.

2 comments September 25th, 2007

Planet unter Beobachtung

Alexander hat wieder einen tollen Film gemacht. “Planet unter Beobachtung”.

Planet unter Beobachtung

Direktlink: Video bei Sevenload und Internet Archive, Weiterverbreitung selbstverständlich erwünscht!

Das Gesetz, das die Vorratsdatenspeicherung zur Realität in Deutschland machen soll, steht kurz vor der Verabschiedung im Bundestag. An diesem Freitag, dem 21.9., gibt es dazu eine Anhörung im Rechtsausschuss. Wer sich informieren will, findet alles über die Hintergründe bei vorratsdatenspeicherung.de und die neuesten Informationen bei netzpolitik.org. Wer praktisch etwas tun will, kann sich beispielsweise der Sammelklage anschließen. Und am Samstag, dem 22.9., treffen sich hoffentlich viele bis alle, die nicht mit einer schleichenden Erosion der Privatsphäre leben wollen, in Berlin, am Brandenburger Tor und demonstrieren. Bis dahin!


Es sei auch nochmal an seinen Film “2014: Wie allles endete” erinnert. Ebenso sehenswert.

Und dann am Samstag auf nach Berlin! Freue mich auf die Latschdemo ;-).

2 comments September 17th, 2007

iCommons 07: Gepiratetetete (?) freie Filme

Als Schmanckerl: Der Film “Starwreck - In the Pirkinning” steht unter einer freien creative commons-Lizenz, seine Macher haben ihn eigenhändig in p2p-Netze eingespeist. (Hintergründe hier.) Lustigerweise haben chinesische und russische Profi-Piraten den Film als DVD rausgebracht. Hier die Beweisfotos:

pirated_dvds_vorn.JPG

pirated_dvds_hinten.JPG

Haben Samuli und Stephen ziemlich stolz auf ihrem iCommons-Workshop herumgezeigt. Ist auch wirklich originell.

Ich habe den Film inzwischen auch gesehen - obwohl ich Starwars doof finde und überhaupt mit Science Fiction wenig anfangen kann, eher so aus professionellem Interesse. Und was soll ich sagen? Ich hatte einen 1a-albernen Fernsehabend! Allein die Eingangsszene: Der Emperor schreitet auf Kommandodeck und schleift einen Streifen Klopapier hinter sich her. Oder wie der Emperor mit einem Gamer-Joystick das feindliche Kampfschiff abschießen möchte. Genau meine Humorlage! Der Film ist gut, mit Liebe gemachter Nonsense. Die Kampfschiff-Weltallszenen sind beeindruckend. Positiv überrascht. Man muss ja schon sagen, die meisten freien Produktionen sind ja nicht immer Griffe in die Glückskiste der Unterhaltung - Starwreck ist ein Glücksgriff, eindeutig.

1 comment June 25th, 2007

iCommons 07: Interview with the Starwreck guys

New Podcast from the icommons summit. I’m switching to English, since all interviews are in this language. This morning, I met Samuli Torssonen and Stephen Lee from Starwreck Studios. Samuli was one of the initiators - and is starring as the emperor - in the movie “Starwreck - In the Pirkinning”. Samuli explains how he and his fellows realized the movie and how they managed to make Universal distribute the DVD although everybody can download the work for free. (Yes, it makes perfect sense! Just listen to the interview!)

starwreck.jpg
Nice guys, they claim to have made the most successful finish film ever. Samuli says he was the only one who could play the emperor because he managed to keep the same haircut for 7 years… There will be pictures of him, I took some, but since I managed to leave the camera-usb-cable at the pension, everyone interested in his haircut has to wait until tomorrow.

Here it is.

samuli_stephen.JPG

Here is the mp3, ogg (18 minutes). (What is ogg? A free standard, see Wikipedia.)
Their next film project is iron sky. Story: In 1945, the Nazis went to the moon, but are planning to come back in 2018. I think that sounds promising!

ironsky.gif

Note: I’ll try to transcribe the essentials of the interview, but this will take time.

3 comments June 16th, 2007

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