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Auf der letzten re:publica hat sich Johnny Häusler einen “Rückkanal in die ARD” gewünscht. Die BBC hat kürzlich sowas in der Art eingerichtet und mit Steve Bowbrick einen “blogger-in-residence” ernannt. Der darf die Alte Tante betreffend ihrer Digtalstrategie beraten sowie Pläne und Ideen aus dem Haus veröffentlichen und diskutieren. Aus der Ankündigung im “BBC Internet Blog”:
Steve Bowbrick will be working for BBC Future Media & Technology as a “blogger-in-residence” for the next six months looking at, and talking about, ideas for a “common platform” and the BBC becoming more open.
Die Blogadresse lautet commonplatform.co.uk. Bowbrick (anscheinend ein echter Internet-Bescheidwisser) stellt dort klar, was er unter “becoming more open” versteht:
My name is Steve Bowbrick and I’m spending a few months at the BBC recording the Corporation’s efforts to open its bank of content, code and talent to the world at large.
Unter dem Titel “Freeing content at the BBC” hat Bowden am 7. Juli in seinem Privatblog “bowblog” einige Forderungen genannt, die die Open Access/Open Content-Fraktion beglücken dürften:
The BBC should free access to content that has limited (or zero) secondary value. That’s not to say content that’s no good: just stuff that can’t easily be sold on or exploited after it’s been transmitted. Lionel Kellaway’s brilliant Radio 4 programme about Rooks (a favourite of mine) is an asset of great beauty and immeasurable value to its listeners but, let’s face it, hardly any value in an open marketplace for audio content.
The BBC should be a rights innovator: hybrid methods of preserving public access to assets and commercial value to creators and license-holders should be developed and tested on real content. Not easy and not possible without compromise on both sides but the Corporation is uniquely placed to drive innovation that’s beneficial to UK licence fee-payers.
The BBC should be a copyright activist. Legislators should be lobbied to help redesign copyright law to preserve access to orphaned assets: content that’s not being exploited but can’t be freed because it still has a nominal owner. The Corporation should fund work to design use-it-or-lose-it laws and other innovative devices that emphasise access and public benefit over predatory and unfair protection.
The BBC should set targets for freeing content. By defining and prioritising categories of assets that should be freed, the BBC could drive the accumulation of a big pool of useful material held in the public domain permanently. Announcing in advance that certain content categories—perhaps whole channels or strands—are in future going to be purchased for permanent public access would encourage creators to get on with it and adjust their pricing and commercial terms for the new climate.
The goal should be to define and then grow the pool of free-to-use, public domain content archived at bbc.co.uk and not to apologise for the inflexibility and intransigence of rights-holders and exploiters. The potential gain for UK Plc and UK citizens could be enormous. The “there’s nothing we can do about it , guv” response must be made a thing of the past.
Hoffen wir mal, dass Bowbricks Ideen Gehör finden. In sechs Monaten wird er allerdings nicht weit kommen. Das “Creative Archive” der BBC ist übrigens damals gescheitert, weil die Rechte der Inhalte nicht zu klären waren.
[Danke an Alexander für den Hinweis.]
October 6th, 2008
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Es ist doch erstaunlich, an wie viele Wörter man das Appendix “2.0″ hängen kann! Diese Überschrift wirbt für das ziemlich gelungene kollaborative Filmprojekt “Node 666″: Das ist die Story:
It began in 2006. Escalating tensions in the Middle East resulted in Iran dropping a nuclear weapon unto Israel. Into the Valley of Armageddon. This unearthed a hidden portal to hell from which a demon army rose to conquer the earth. Seeing that the time had come, alien overlords who had been watching over us as Angels initiate the Rapture protocol to save the human genetic code, randomly transporting a few million of us into their ships, to prepare for their final battle. The rest of us are left behind, to face the final apocalypse. Many die. Some survive. And some … Form a videoblogging network to communicate. These are the members of Node 666.
Dieses Video besteht aus Schnipseln von den “Überlebenden”, die sich selbst in ihrer, äh, misslichen Weltuntergangssituation filmen. Node 666 schafft es, eine Blair-Witch-Atmosphäre aufzubauen. Ich zumindest habe mich ein bisschen gefürchtet. Humor blitzt auch immer wieder auf.
Kleine Denksportaufgabe für die Juristen, die immer behaupten, dass unser Urheberrecht wunderbest auf Internet, Web 2.0 etc passt: Wer ist denn hier der Urheber? Die Leute, die den Film zusammengeschnitten haben? Oder die Einzel-Autoren?
October 2nd, 2008
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Frisch zurück von der Tagung “Kreative Arbeit und Urheberrecht”. Robert hat das Panel “Wer bezahlt Kreativität?”, an dem ich teilgenommen habe, in einem Blogbeitrag und bei Golem zusammengefasst. Bin nicht so glücklich damit, wie meine Position wiedergegeben wurde, ist arg verkürzt.
Was ich betreffend “Einkommen, Internet, Kreative” ausdrücken wollte:
Im Netz wird ein Wahnsinnsgeld mit kreativen Werken verdient. Unfassbar viel. Nur erreicht das nicht die Kreativen, sondern bleibt fast vollständig bei Suchfiltern wie Google, Aggregatoren wie Digg und Web-2.0-Plattformbetreibern wie YouTube (also Google) hängen. Eine absurde Situation: Die Infrastruktursteller lassen sich ihre Dienste durch eingeheimste Werbegelder und Risikokapital vergolden. Die Konsumenten profitieren - sie kriegen die Inhalte frei Haus . Doch diejenigen, die die Inhalte liefern, bekommen sehr wenig bis nichts. Dabei sind sie es doch gewesen, die Konzerne wie Google oder Plattformen wie MySpace erst groß gemacht haben. Autoren, Filmemacher und Musiker (egal ob Profis oder Amateure) produzieren schließlich all die Inhalte, auf die die Plattformbetreiber ihre Geschäftsmodelle gründen.
Klar, die Kreativen bekommen eine sehr wertvolle Gegenleistung von den Aggregatoren: Aufmerksamkeit. Es ist gut für Journalisten, wenn ihre Texte via Google News gefunden und gelesen werden. Journalisten wie ich sind darauf angewiesen, dass ihre Inhalte auf diese Weise weiter verteilt werden. Filmemacher können ihre Videos bei Plattformbetreibern wie YouTube kostenlos einstellen, auch sie brauchen die Öffentlichkeit, die sie so bekommen. Für Musiker, die ihre Sachen bei MySpace einstellen, gilt gleiches. Inhalte-Produzenten profitieren von der vielzitierten Aufmerksamkeitsökonomie.
Was ich auf dem Panel deutlich machen wollte: Die Verhältnisse stimmen einfach nicht.
Die Aufmerksamkeit, die die Aggregatoren den Kreativen zuschaufeln - und die sie vielleicht in einem zweiten Schritt in Vergütung verwandeln können - ist keine angemessene Gegenleistung, verglichen mit den Reichtümern, die die Aggregatoren für ihre Dienste einstreichen. Macht und Geld konzentrieren sich in den Filtern, das Netz wird von Informations-Oligopolen dominiert. Diese Verhältnisse verschlechtern die Position und die Einkommen der Kreativen. Die gesamte Situation ist besorgniserregend.
Und da bin ich bei Google. Würde ich Sergey Brin und Larry Page zufällig bei meinem Bäcker treffen, würde ich Ihnen sagen: “Hallo Jungs! So ein Zufall! Wo ihr gerade hier seid… was ich Euch schon immer sagen wollte: Supersuchmaschine habt ihr entwickelt, und dafür Danke. Ich meine, man kann Euch viel vorwerfen - Stichwort Datenschutz - aber abgesehen davon macht Euer Konzern eigentlich alles richtig. Ihr bietet ständig neue, nützliche Anwendungen an, ihr habt das Internet verstanden. Nur, Sergey und Larry, über eine Sache müssen wir reden. Ich erkenne eure Verdienste an, aber ihr leider nicht meine und die meiner Inhalteproduzenten-Kollegen. Wir haben euch zu vielfachen Milliardären gemacht. Darum hier meine Kontonummer, bitte überweisen. Außerdem: Google muss in die Künstlersozialkasse einzahlen. Und zwar big time.”
September 28th, 2008
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Vor einigen Wochen hat Google behauptet, dass es so etwas wie eine Privatsphäre längst nicht mehr gebe. Schrecklich geärgert habe ich mich darüber. Das sagen die Richtigen! Seitdem nagt der Gedanke an mir, dass die Google-Leute leider Recht haben. Ein neues Feature des News-Aggregators Rivva hat mir jetzt tragische Gewissheit gebracht. Rivva ist eine Suchmaschine, die einen Überblick darüber gibt, was die deutschsprachigen Online-Medien/Blogs aktuell veröffentlichen. Programmiert hat das Ganze Frank Westphal. Die neue Rivva-Live-Map ist ein interessantes MasUp: Auf einer “Google Maps” Karte poppen aktuelle Blogeinträge auf: Schreibt ein Hamburger Blogger was, zoomt die Karte dahin. Veröffentlicht eine Berliner Zeitung einen Beitrag, zoomt die Anwendung nach Osten usw. Als Abfallprodukt ist eine statische Bloggerkarte entstanden. Da kann man via Karte straßenzuggenau sehen, wo ein Blogger wohnt. Der “Bits ‘N’ Bytes” Blog der FR hat sich das mal angeschaut:
Seine (Frank Westphals) Karte zeigt mehr als 1300 Blogs aus Deutschland, unter dem Stichwort Planet listet er deren neueste Beiträge nach Städten geordnet auf. Für einen Überblick über die deutsche Blogosphäre ist das genau so nützlich wie für Menschen, die Blogs aus bestimmten Städten suchen. Um all die Quellen, aus denen sich Rivva speist, verorten können, hat Westphal entweder das Impressum gelesen oder nach Geotags, namentlich ICBM-Tags gesucht.
Einerseits mag ich die Blogkarte. Ganz nett, zu entdecken, dass man bloggende Nachbarn hat. Trotzdem ist mir unbehaglich, wenn mein Wohnort öffentlich einsehbar auf einer Karte auftaucht. OK, ok, war auch schon vorher öffentlich, steht schließlich im Impressum. Ist trotzdem eine neue Qualität. Und damit wäre ich wieder bei Google und der Tatsache, dass Privatsphäre dem Weihnachtmann ähnelt: Man kann dran glauben, gibt ein gutes Gefühl, geben tut’s beide nicht.

Ach ja: Wer nicht in der Blogkarte verzeichnet sein will, kann Westphal eine Mail schreiben, Details in seinem Blog.
September 25th, 2008
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In eigener Sache: Im Rahmen der Tagung “Kreative Arbeit und Urheberrecht”, die vom 26. bis 29. September in Dortmund stattfindet, nehme ich an der Diskussion “Wer bezahlt Kreativität?” teil:
* Paul Keller, Senior-Projektleiter Creative Commons Niederlande & Vorstandsmitglied iCommons, Amsterdam
* Peter Grafe, Referatsleiter K16 Kulturwirtschaft, BKM, Bonn
* Meike Richter, Kulturwissenschaftlerin, Dozentin, Kuratorin und freie Journalistin überwiegend für den NDR, Hamburg
* Moderation: Christoph Gurk, Kurator, Autor und Dramaturg, Volksbühne Berlin und Schauspiel Leipzig
Kreative arbeiten in aller Regel freischaffend. Das Panel erkundet, wo sie Abnehmer und Förderer für ihre Werke finden. Wie sieht es tatsächlich aus in der Kultur- und Kreativwirtschaft, die von der Politik als Wachstumsmotor gesehen und besonders gefördert wird? Ist es möglich, Werke unter Creative Commons frei zu lizenzieren und dennoch Geld damit zu verdienen? Wo streckt sich Kulturschaffenden die öffentliche Hand entgegen: in Rundfunk und Theater, mit Wettbewerben und Residencies? Oder bleibt für die meisten Bohemiens doch nur der prekäre Mix aus Kneipenjob, Arbeitslosenhilfe und einem seltenen Taschengeld für die eigentliche kreative Arbeit?
Aus der allgemeinen Ankündigung der Tagung:
Schützt das Urheberrecht Autoren oder Verwerter? Wie arbeiten Urheber – mit öffentlicher Förderung, in der Kreativwirtschaft oder in lustvoller Selbstausbeutung? Remixing ist illegal und findet doch massenhaft statt – wie lassen sich die Interessen von Kreativen und Re-Kreativen vereinbaren?
Die brisantesten Fragen aus der von iRights.info durchgeführten Untersuchung der neuen Arbeitsverhältnisse werden nicht nur in Vorträgen und Podien zu Diskussion gestellt, sondern auch in Form von Performances, Filmen, Konzerten und einem Rundgang durch die Ausstellung “Anna Kournikova Deleted By Memeright Trusted System - Kunst im Zeitalter des Geistigen Eigentums”.
Organisiert von iRights.info und dem Hartware MedienKunstVerein.
September 22nd, 2008
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Die commoncraft-show ist eine meiner Lieblings-Webshows. Das Prinzip ist simpel:
We make complex ideas easy to understand using short and simple videos.
Our product is explanation.
In der Show erklären sie Netzphänomene wie Blogs oder Technologien wie RSS mithilfe von Tafel, Zettelschnipselchen und Stift. Die Videos stehen frei im Netz. Man kann bei denen auch Clips in Auftrag geben. In diesem Video erklären die Macher ihr Geschäftsmodell, das auf cc-Lizenzierung beruht. Interessant. Und simpel erklärt, wie gewohnt.
September 22nd, 2008
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Immer wieder tauchen Studien auf, die den drohenden Internet-Kollaps prophezeien. Angeblich reicht die Netz-Infrastruktur nicht, um den weltweiten Breitbandhunger zu stillen. Ziemlich oft sind Tauschbörsennutzer Schuld an der angeblichen Misere. Dass diese Studien unseriös und meist von Lobbygruppen finanziert werden - der Verdacht drängt sich immer wieder auf. In der aktuellen c’t (Artikel steht leider nicht online) macht sich Holger Bleicher die Mühe und liefert Beweise und fundierte Argumente, die diese Studien als Panikmache entlarven. Fazit: Alles gut - zumindest in den nächsten Jahren verstopfen die Leitungen nicht. Puh!
September 15th, 2008
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Über Chrome ist schon alles gesagt, geschrieben und geblogged worden. Außer: Warum wusste keiner, dass Google ein eigenes Internetfenster entwickelt? Ich zumindest habe bis zum Release noch nie was davon gelesen. Keine der üblichen Webseiten oder Blogs scheint davon gewusst zu haben. Wie haben die das geheim halten können? Ist mir ein Rätsel.
September 9th, 2008
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Olympia hält man als Sportwurst (wahlweise: Non-Pharma-Kunde) nur aus, wenn man sich drüber lustig macht. Eine kleine Videoserie, produziert vom NDR für die ARD, erledigt diese Aufgabe:
In acht Folgen präsentiert Klaas Butenschön bis zum Ende der Sommerspiele in Peking einige der olympischen Sportarten auf etwas andere Art und Weise - mit einem Augenzwinkern.

Erreichbar unter peking.ard.de Warum das hier steht? Die Clips wurden unter Creative Commons lizenziert. So ist cc auch in der ARD salonfähig geworden. Service für Blogger: die Videos via YouTube einbinden geht auch.
Die Folgen:
Folge 1: Ringen
Folge 2: Synchronspringen
Folge 3: Gewichtheben
Folge 4: Bogenschießen
Folge 5: Sprint
Folge 6: Taekwondo
Folge 7: Weitsprung
Folge 8: Moderner Fünfkampf
August 12th, 2008
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Habe mich als Jurymitglied des diesjährigen “OpenMusicContest” in den letzten Tagen durch Stunden von Musik gehört. Mir schlackern jetzt noch die Ohren. Ich kenne jemanden, der sagt etwas gehässig, dass Creative Commons das “Urheberrecht der Dilettanten” sei. Nun ja. 4 Bands fand ich super, bei den anderen, ich sach mal… da ist noch Potential drin. Bin gespannt, wer das Rennen macht.
Auf jeden Fall ein schönes Projekt, das die Leute um Meik Michalke jährlich stemmen.
Beim OpenMusicContest des Marburger AStA handelt sich um einen bundesweiten, international einzigartigen Wettbewerb zur Diskussion um die Freiheit von Kultur mit besonderen Teilnahmebedingungen.
Die Musikstücke, mit denen sich die Bands bewerben, müssen unter einer Creative Commons-Lizenz stehen. D.h. diese Musik wird “frei” — sie darf kopiert und verbreitet werden, solange dabei die Urheber/innen des Stücks genannt werden und wiederum auf die Lizenz hingewiesen wird. Dabei können die Bands darüber entscheiden, ob dies auch für die kommerzielle Nutzung gestattet ist, und ob die Stücke auch in veränderter Fassung verbreitet werden dürfen oder nicht. So ist es möglich, die veröffentlichten Sampler auch zum freien Download anzubieten. Der OpenMusicContest gilt als eines der größten Real-Life-Events der Creative Commons Community.
July 31st, 2008
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