Posts filed under 'Netzkultur'

Feilsharer immer dreister

Ahoi Polloi ist ein Comicblog, ein sehr gutes sogar. Jeden Tag gibt es einen neuen. Der vom 20. Juni gefällt mir sehr. Würde das Bild gerne einbinden. Es steht aber unter klassischem Urheberrecht, daher nur ein Link drauf.

Und wie so oft wünsche ich mir ein Zitatrecht für Bilder. Das Zitatrecht gilt ja leider nur für Text. Vielleicht kommt’s ja mal? Als sich das Urheberrecht entwickelt hat - 18. Jahrhundert - hatten wir eine textbasierte Kultur. Die Juristen haben daran gedacht, eine Schrankenbestimmung wie das Zitatrecht in die Paragraphen zu formulieren. Längst haben wir uns zu einer bilderhungrigen, visuellen Kultur entwickelt. Vielleicht schreiben fortschrittliche Juristen irgendwann mal - ich tippe auf das Jahr 2022 - ein Bilderzitatrecht ins Urheberrecht bzw. weiten es aus.

Bei der ersten re:publica habe ich übrigens Udo Vetter gefragt, wie er das mit dem Zitatrecht für Bilder sieht. Antwort: Doch, sowas wie ein Bilderzitatrecht gebe es. Eine andere anwesende Juristin verneinte kategorisch. Auf der re:publica 07 habe ich Till Jäger gefragt, der meinte: “Hängt vom Kontext ab.” Wen frage ich bloß nächstes Jahr?

2 comments June 24th, 2008

Faszinierend! Faszinierend!

Das letzte Wochenende habe ich auf einem BarCamp, genauer gesagt dem IdentityCamp in Bremen verbracht. Das war eine ganz erstaunliche Veranstaltung. Ich hätte nicht gedacht, dass sowas wirklich funktioniert. Hier der Bericht, den ich für NDR Online geschrieben habe: IdentityCamp: Die Konferenz der Wissensteiler


Bestes Zitat stammt von Caspar Bowden: “Most people give away their data for a chocolate bar.” Der Mann muss es wissen, er ist bei Microsoft “Chief Privacy Advisor” für Europa, Nahost und Afrika.

3 comments June 9th, 2008

Big Buck Bunny

Der neue Blender-Film Big Buck Bunny steht ab Freitag im Netz.

Add comment May 29th, 2008

Zitieren ist König

Die Helden meiner längst verflossenen Jugend, Weezer, huldigen in ihrem  Video “Pork and Beans” viralen Internet-Clips. Super. Via.
(Video-Einbau zerschießt leider das Layout dieses Blogs, kümmere ich mich demnächst drum.)

Add comment May 25th, 2008

Wer hätte das gedacht!

Helmut Kohl und SEINE Maike Richter lesen meinen Blog! Seit dem Ja-Wort in der Reha-Klinik (!) heißt sie Maike Kohl-Richter. OK, meine Vorstellungen lagen bei Maike Kohl, aber Doppelname, von mir aus. Vorgeschichte hier.

Add comment May 13th, 2008

FSK auf Twitter

Das Freie Sender Kombinat (FSK), Hamburgs unabhängiges Radio, macht nicht nur Sendungen, sondern koordiniert und informiert auch immer anlässlich von größeren Demonstrationen. Früher lief das so: Vertrauenswürdige Leute vor Ort riefen live im Sender an und sagten, was auf der Demo passierte, Hörer zu Hause oder andere Demo-Teilnehmer, die ein Radio dabei hatten, wussten, was wo ging. Der Haken: Immer gab es zu wenige Radios, oft war der Empfang grässlich. Anlässlich der Gegendemo zum Naziaufmarsch in Barmbek am 1. Mai Demo hat FSK erstmals twitter eingesetzt.

twitter_fsk.jpg

Aus der Ankündigung auf der FSK-Webseite:

Das FSK probiert eine neue Struktur zur Verteilung von Nachrichten per SMS, Web und Instant Messaging aus!

Es ist bei bestimmten Anlässen einfach nicht möglich, über längere Zeit kontinuierlich Radio zu hören, während man z.B. auf einer Demo unterwegs ist. Dadurch verpasst zwangsläufig Informationen, wenn man gerade etwas zu besprechen hat, an einer lauten Kundgebung ist o.ä. Situationen.

Mit der neuen Struktur wollen wir - ergänzend zur üblichen Berichterstattung per Radio - die Möglichkeit bieten, wichtige Infos nicht zu verpassen!

Vergleichbar ist dieses Konzept am ehesten mit den von Indymedia bekannten “Breaking News”, die eine knappe Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse des Tages darstellen und eine Ergänzung zu Hintergrundberichten und längeren Artikeln sind.

Für DemoteilnehmerInnen wäre z.B. ein Empfang per SMS auf das Handy am sinnvollsten, während sich jemand mit Anschluss ans Internet vielleicht einfach eine Zusammenfassung der Geschehnisse der letzten zwei Stunden sucht.

Wünschenswert wäre, eine solche Verteilung von Nachrichten mit eigener Infrastuktur zu realisieren, momentan ist dies aufgrund hoher Kosten, die mit dem SMS-Versand verbunden sind aber nicht möglich. Wir werden deshalb zunächst für diesen Zweck einen Dienst im Internet benutzen, der relativ weite Verbreitung gefunden hat und akzeptiert wird, auch wenn diese Lösung zur Zeit nur ein Kompromiss ist.

Twitter (http://www.twitter.com) ist ein Dienst, bei der Teilnehmer kurze Mitteilungen (bis zu 140 Zeichen) hinterlassen können. Andere Personen können “gefollowed” werden, man kann damit deren Mitteilungen abonnieren und per Web, SMS oder Instant Messaging lesen. Klingt geeignet für unsere Vorstellungen…

Am 1. Mai werden wir diese Struktur zum ersten Mal umfangreich nutzen um aktuelle Infos zum Naziaufmarsch bzw. den Gegenaktivitäten zu veröffentlichen. Auch in Zukunft ist dies bei ähnlichen Aktionen oder spontanen Ereignissen denkbar.

Hier ist der twitter/FSK-feed. Das liest sich dann so:

Spontandemo von ca. 1000 Antifas zieht die Fuhlsbüttler Str Richtung Norde, höhe Hebebrand Str, relativ unbehelligt von der Pol. 04:11 PM May 01, 2008 from web
100 antifas auf dem gelände vom ak barmbek eingekesselt 04:03 PM May 01, 2008 from web
Fuhlsbüttler Str. in nördliche Richtung noch komplett frei, auf Höhe Feuerbergstr ist wohl ein Zugang auf den Rübenkamp möglich 03:59 PM May 01, 2008 from web
nazidemo befindet sich auf dem rübenkamp, höhe der jahnbrücke, richtung ohlsdorf unterwegs 03:44 PM May 01, 2008 from web
nazi-demo-spitze ist jetzt los gegangen, momentan rübenkamp 03:37 PM May 01, 2008 from web
Bündnisdemo mußte sich auf Druck von Polizei auflösen, Verabschiedung mit WaWe-Einsatz 03:23 PM May 01, 2008 from web

Ein Organisator erzählte mir, dass die Aktion ziemlich erfolgreich gelaufen ist. Über 360 Leute haben sich für den Dienst eingetragen. Die Initiatoren fühlten sich etwas unbehaglich, weil sie die Leute in die Arme von twitter getrieben haben. Ging aber nicht anders. Einen freien twitter-Dienst gibt es nicht. Und durch twitter haben sie um die 650 Euro SMS-Kosten gespart. Das Budget könnte FSK nicht aufbringen.

Fazit: Wohl den Aktivisten, die Nerds in ihren Reihen haben.

Wer noch nicht ganz durchschaut hat, was twitter ist, guckt sich das Erkärvideo bei commoncraft an oder fragt Wikipedia. Der Elektrische Reporter hat mal ein interessantes Interview mit dem Twitter-Mitgründer Biz Stone gemacht.

Ich bin am 1. Mai übrigens meinen kapitalistischen Neigungen nachgegangen und habe den Inhalt unseres Dachbodens verschärbelt. Jetzt bin ich reich und Flohmarkt-Königin.

Update: bei netzpolitik.org hat sich eine interessante Diskussion entfaltet.

1 comment May 5th, 2008

Grauzonen und Copyright-Verliese

Felix Stalder hat auf der nettime-Mailingliste die “Economies of the Commons”-Konferenz und das Dilemma der “staatlichen” Archivare treffend zusammengefasst:

The most poignant moment came when Edwin van Huis (Netherlands nstitute for Sound and Vision) recounted a discussion with a broadcaster about whether the institute could put online some TV segment that was already on Youtube. The answer was: No! When he asked the broadcaster how he felt about his content being on Youtube the answer was: ‘You can’t do anything against Google’. Thus, as Paul Keller remarked, there is a perverse situation that the official repositories of culture are going to be stuck with stuff that either they cannot make accessible, or nobody cares about. All the rest will be better accessible via Youtube or piratebay.

In short, it became abundantly clear that, no matter how much money you have, the attempt to solve all the legal issues first and only then start to release the material is doomed to failure. Digitization plus strict adherence to the law will not create digital archives but copyright dungeons.

Most of the successful, innovative projects, it turns out, are
operating in zones of varying degrees of grey. In the American
example, Youtube, the grey zone is protected by corporate might (Google). In the European example, piratebay, the grey zone is sustained by mass civil disobedience.

I suspect that the grey zones will not stay grey for ever. Sooner
or later, the basic framework in which they will operate be will
be defined. Google will have settled all the law suits against
Youtube and p2p providers will becomes mainstream (keep an eye on mininova….). However, it seems equally save to predict that the new framework will look considerably different from what it is now, reshaped by the sheer force social reality. But by then, the official cultural repositories will have wasted a huge amount of money by building systems of restriction and a generation of culturally-interested citizens will have learned to look elsewhere to find the material they care about.

Add comment April 27th, 2008

Frauen mit und ohne Blog

re:publica 2007, ein Reporter fragt mich: “Hallo, du bist eine Frau - hast du einen Blog?
“Ja.”
“Kann ich dich kurz interviewen?”

re:publica 2008, ein Radioreporter erkennt messerscharf: “Oh, du bist eine Frau!”
“Das ist korrekt.”
“Mit Blog? Toll! Kann ich dich kurz interviewen?”

Frauen in jungsdominierten Kreisen sind spannend für Journalisten, ok. Überhaupt ist interessant, warum sich so wenig Frauen in Blogger/Nerdkreise verirren. Mich interessiert das neuerdings auch, im Gegensatz zu früher. Wegen meiner zwei X-Chromosomen interviewt zu werden finde ich doof. Es wäre mir lieb, wenn mein Geschlecht gar keine Rolle spielt - tut es natürlich ständig. Bei Jan und in diversen anderem Blogs wird über das Thema “Weibliche Blogger” diskutiert. Anlass ist die re:publica-Veranstaltung “Strickblogs oder Postfeminismus - Bloggen jenseits des Schwanzvergleichs” (Der Titel geht gar nicht.) Anke Görner hat zur Frage “Bloggende Frauen” ein lesenswertes Posting geschrieben.

Jetzt im Nachhinein sind mir doch noch ein paar Themen eingefallen, die vielleicht für weibliche Blogger interessant gewesen wären: Welche Risiken gibt es für uns, die die meisten Männer wohl nicht haben werden (Stichwort Stalking oder sexuelle Belästigung per Kommentar oder Mail) und wie kann man sich dagegen wehren bzw. davor schützen? Können wir uns zu einer Art Webring zusammenschließen, wollen wir das, müssen wir das? Wäre es vielleicht sogar finanziell interessant, ein Netzwerk aus weiblichen Blogs zu schaffen, weil man damit Werbetreibenden eine sehr spitze (no pun intended) Zielgruppe bieten könnte? Und generell: Wieso ist überhaupt das Bedürfnis da, sich absetzen zu wollen, sich darüber einen Kopf machen zu wollen, dass man nun mal als Frau schreibt?

Die Webring-Idee finde ich gut. Weil: Ich bin Fan von Netzwerken, habe aber kein einziges weibliches. Das wäre aber sinnvoll. Auf den CCC-Kongressen gab es ja mal den Haecksen-Raum - das war angenehm. Weil, du meine Güte - da sind Frauen wirklich in der Minderheit. Und Minderheit-Sein und Attraktion-Sein fühlt sich merkwürdig an. Ich bin für vernetzen. Meinungen dazu?

3 comments April 16th, 2008

Economies of the Commons: Ubuweb

Höhepunkt heute: Kenneth Goldsmith von ubu.com.

Add comment April 12th, 2008

Economies of the Commmons: Was bedeutet “open”?

Hm, hm. Eben lief der Programmpunkt “Uncommon Business Models”. Bin da über ein paar Sachen gestolpert. Jonas Woost (Head of Music last.fm) sagte während seiner Präsentation: “We want to be the Wikipedia for Music”. Weil da die User in bester Web-2.0-Manier Seiten über Bands mit Inhalten füllen. Aal-Prinzip also, “andere arbeiten lassen”. Er hat sein Unternehmen mehrmals als “open” dargestellt.

last.fm ist ein interessantes Unternehmen, toll für Musikliebhaber, hat aber so gar nichts mit Prinzipien von Open Source zu tun. Oder mit der Philosophie, die die Wikipedia groß gemacht hat. last.fm ist ein Unternehmen, das Geld verdienen möchte. Das ist total ok. Aber: Weder können last.fm-User entscheiden, wohin das Unternehmen steuert, noch dürfen sie in die last.fm-Software gucken und sie ändern. last.fm ist nicht “open”. Nur die last.fm-Macher haben die Schlüssel für ihre kleine Datenkäfig-Plattform. Die - wie gesagt - vollgefüllt wird von den Usern.

Und: Das Wortungetüm: “Win-win-win”-Situation möchte ich in meinem Leben nicht mehr hören. Danke.

1 comment April 12th, 2008

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