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re:publica: Nachts durch Berlin mit einem PI-Leser


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Nach dem ersten re:publica-Tag und der lustigen Twitter-Follower-Party von Sascha Lobo (Danke fürs Bier!) nachts um 2 schnell ins Taxi gesprungen Richtung “endlich schlafen”. Einen auf den ersten Eindruck netten, interessierten Taxifahrer erwischt, der Blogs sehr schätzt, er liest nämlich einen: Politically Incorrect. Ach, sage ich etwas perplex. Warum er das denn liest, was ihn da interessiert? Ich treffe selten auf rassistische, rechtsradikale, obskure Verschwörungstheoretiker, da habe ich halt nachgefragt. Naja, mit rassistischen, rechtsradikalen und etwas dämlichen Verschwörungstheoretikern kann man sich nicht wirklich unterhalten. Wie sich schnell herausstellte. Nach ca. 4 Minuten hatte ich einen aufgebrachten, aufs Lenkrad schlagenden Typ neben mir, der sehr schlimme und sehr dämliche Sachen von sich gegeben hat. Vokabeln wie “Vaterland”, “Abschaum”, “Stolz”, “menschlicher Dreck”, “alles Terroristen” spielten prominente Rollen. Er konnte es partout nicht akzeptieren, dass ich als Vertreterin der Medien bla bla nicht über die drohende Islamisierung Deutschlands bla bla schreiben würde. Kurz habe ich überlegt, ob ich mich vielleicht fürchten müsste. Aber nein. Es war alles so… jämmerlich. Hassen muss furchtbar anstrengend sein, habe ich gedacht. Auf dem Autositz neben mir tobte einfach ein von Hass zerfressendes, keifendes, leeres, tragisches Menschlein vor sich hin. War nicht so schön.

Schon absurd, so ein Erlebnis während einer Bloggerkonferenz. Auch heilsam. Ich neige dazu, digitale Medien und was die Menschen damit anstellen zu verherrlichen. Von wegen “Demokratisierung, Partizipation etc”. PI belegt Platz 49 der deutschen Blogcharts.

2 comments April 11th, 2008

re:publica: Best of Wortschnipsel


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Mit gewohnter Verspätung reiche ich noch ein paar Einträge zur re:publica nach.

Panel “Zukunft sozialer Netzwerke”

Tim Pritlove: “Was ist die StudiVZ-Datenbank denn jetzt wert?”
Michael Brehm: “Nichts.”
Tim: “Ich gebe Ihnen 50 Euro.”

Panel “Was ist öffentlich-rechtlich im digitalen Zeitalter?”

Johnny Haeusler: “Ich gebe jetzt mal den Blogger-Schäuble und fordere das Maximum…”

(Das Panel war sehr spannend, Mitschnitt bei hobnox.)

Panel “Musik im Netz”

Johnny Haeusler: “Klar wird viel Geld verdient mit Musik. Das landet bei Steve Jobs.”

Typische Verabsschiedung zweier Blogger auf einer Bloggerkonferenz:

“Ich les’ dich!”
“Ich dich auch!”

1 comment April 11th, 2008

re:publica: schön war’s + Videos


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Zurück von der re:publica - ich hatte eine gute Zeit. Menschen getroffen, viel zugehört und viel geredet. Und gefeiert. Darum habe ich auch nichts gebloggt. Mache ich nie auf Konferenzen. Schließlich waren noch 799 andere Blogger da, die berichtet haben. Vielleicht schreibe ich in den nächsten Tagen noch ein Fazit und einige Gedanken auf, aber ich bin unterwegs, wird schwierig.

Alle Videos der Konferenz finden sich bei hobnox.

Und hier ist das Video zum Creative-Commons-Panel. Mit Nicole Ebber, Jürgen Werwinski, Stefan Kluge, John Hendrik Weitzmann und mir als Moderatorin. Fand die Runde gut - wunderbare Diskutanten. Mario Sixtus war leider verhindert, Stefan ist kurzfristig eingesprungen.

hobnox2.jpg

Danke an alle Organisatoren!

Add comment April 7th, 2008

re:publica: Panel zu Creative Commons


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Heute Abend steige ich in den Zug Richtung re:publica und möchte kurz auf ein von mir moderiertes Panel “Creative Commons - Tools for the Remix-Generation” hinweisen. Es diskutieren Mario Sixtus (Elekrischer Reporter, hoffentlich), Jürgen Werwinski (NDR) und Nicole Ebber (zeitgeisty.cc). Nach fünf Jahren CC ist die Phase” Wie geht das? Aha. Praktisch, dass es das gibt!” abgeschlossen. Wir wollen das Phänomen mal näher beleuchten:

Wer wendet cc eigentlich an? Ist es nur ein Baukasten-Lizenzsystem für Kreativ-Dilettanten? Oder nutzen es auch Vertreter der klassischen Medien/Kunstwelt? Sind freie Inhalte eine Grundbedingung, damit mündige Netzbürger ihren digitalen Alltag leben können?

Hat jemand weitere Diskussionspunkte? Fragen, die er/sie immer schon mal stellen wollte? Bitte in die Kommentare.

Und jetzt verstaue ich noch eine Dreiersteckdose in meiner Reisetasche. Wie auf jeder Blogger/Nerdkonferenz wird mir das viele neue Freunde bescheren ;-)

Add comment April 1st, 2008

re:publica: Numerische Mini-Porträts


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Vom 2. bis 4. April bitte alle auf nach Berlin zur Bloggerkonferenz re:publica. Letztes Jahr hatte ich da eine sehr gute Zeit, vor allem in den Pausen. Pausen und Abende sind sowieso immer das beste bei Konferenzen. Dieses Jahr bietet die re:publica noch mehr Programm und vielleicht wird’s noch besser - die Pausen, die Abende und ja gut auch die Vorträge und Podiumsdiskussionen. Spreeblicks Johnny Haeusler und Netzpolitiks Markus Beckedahl sind die Hauptveranstalter.

Zwei numerische Mini-Porträts:

MARKUS BECKEDAHL
markus.jpg

Zahl der täglich durchgescannten RSS-Feeds: über 600* (eigene Auskunft)
Technorati-Authority: 1.109
Google-Treffer: 16.700
Kontakte bei Xing: 518
Umfang der Tagcloud: fast so groß wie Europa, siehe selbst

JOHNNY HAEUSLER
johnny.jpg

Zahl der täglich durchgescannten RSS-Feeds: 300* (eigene Auskunft)
Technorati-Authority: 1.323
Google-Treffer: 20.700
Kontakte bei Xing: 113
Umfang der Tagcloud: -

*Lieber Leser, sicher fragst Du dich jetzt: “600/300 RSS-Feeds täglich - wie machen die das? Stimmt mit mir etwas nicht, weil ich nur 20 in der Woche schaffe?” Antwort: Sorge Dich nicht. Talente und Interessen sind eben unterschiedlich verteilt. Mit Profi-Kunstturnern wie Fabian Hambüchen, die doppelten Rittberger und sonstwas am Reck turnen, vergleicht man sich schließlich auch nicht.

Add comment March 25th, 2008

Aufgeschnappt


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Dialog auf einer Party:
“Wie viele Freunde hast Du bei Xing?”
“Keine. Da habe ich Kontakte. Freunde gibt’s bei StudiVZ.”

1 comment March 24th, 2008

Projekte, die die Welt braucht #2: RSS-Multimedia-Papierzeitung


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Die Videoplattform Miro ist in Version 1.2 erschienen. Meine nerdiges Umfeld hält große Stücke auf Miro, weil: funktioniert, unabhängiges Projekt, kann so ziemlich jedes Format, ist Open Source, inklusive Bittorrent-Client, greift auf die Inhalte diverser Videoplattformen zu usw usw usw. Man kann eigene Fernsehchannel aufmachen, via Video-RSS. Details bei heise, heise, golem, chip. Ich habe mir das vor einigen Wochen installiert und bin jetzt auch Fan. Für die Nicht-Nerds in einem Satz zusammengefasst, warum Miro unsere Herzen erobert: Miro ist wie iTunes, bloß viel besser weil kann viel mehr. Die Kombi Videoplayer mit RSS ist bestechend. (RSS ist sowieso das am meisten unterschätzte Web 2.0-Feature, aber das ist ein andere Thema.)

home-logo-revised.png

Hier geht’s zum Download. Die Miro-Macher haben Sendungsbewusstsein, sie wollen Fernsehen demokratisieren, Grassroots-Media.

Television is the most popular medium in our culture. But broadcast and cable TV has always been controlled by a small number of big corporations. We believe that the internet provides an opportunity to open television in ways that have never been possible before. Miro is designed to eliminate gatekeepers.

Bin da skeptisch. Fernsehen ist so… Couchkartoffel-passiv. Das gilt auch für offenes Internetfernsehen, wo jeder einstellen darf. Egal, Hauptsache es gibt unabhängige Lösungen, Auswahl ist immer gut.

Torsten wünscht sich Miro für mobile Geräte. Weil der Rechner zu sehr ablenkt, er kommt kaum zum gucken. Das Problem kenne ich.

Ich träume schon lange von einer Kreuzung zwischen Multimediaplayer und Zeitung. Ich wünsche mir sowas wie den Daily Prophet, das ist die Multimedia-Zeitung bei Harry Potter.

daily_prophet.jpg

Sie hat neben Text auch Audio und Video. Das wär’s: Am Frühstückstisch mit der Zeitung knistern, lesen, und dann spielt sie einem noch Videos ab. Die Inhalte möchte ich mir natürlich selbst via RSS zusammenstellen. Etwa so: Politikteil der SZ, dann neueste Artikel meiner abonnierten Blogs, Nachrichten aus der Netzwelt und alles durchsetzt von Videosequenzen.

2 comments March 22nd, 2008

Helmut Kohl versaut mein Google-Ranking


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Bis vor einigen Jahren bereitete mir Google-Vanity-Search große Freude. War meine liebste Freizeitbeschäftigung. Ich habe nur mich gefunden, ganz nett, was Google da so ausgeworfen hat. Mein Unglück begann, als Helmut Kohl der Presse seine neue Lebensabschnittspartnerin präsentierte. Die Frau heißt leider wie ich: Maike Richter - mein Vorname schreibt sich zwar mit “e” - Meike - aber das ist Google ziemlich egal. Seitdem leide ich beim mich-selber-googeln. Und immer wieder fragen mich doof vor sich hin kichernde Menschen: “Wie ist er denn so, der Ex-Kanzler, hahaha?”. Ich habe die Herausforderung angenommen und liefere mir mit Dr. Maike Richter einen erbitterten Kampf um die Führung beim Google-Ranking. Momentan führe ich, wohl wegen der re:publica, da mache ich eine Podiumsdiskussion. Im Januar hat sie geführt. Der Ex-Kanzler war nämlich gestürzt, und da hat sie ihn im Krankenhaus besucht. Weil es tatsächlich Medien gibt, die daraus eine Meldung machen, verbannte Google mich auf die hinteren Plätze. Heute habe ich mal die Personensuchmaschine yasni ausprobiert. Da taucht die unselige Kohl-Connection nicht auf, aber dafür in der Tagcloud ziemlich fett “Fußpflege”. Weil eine weitere Namensvetterin von mir arbeitet als selbige. Ach je, ach je.

Vanity Search

3 comments March 15th, 2008

Playmobil macht eine schlechte Figur


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Playmobil pfeift auf die Kunstfreiheit und pocht darauf, selbst zu entscheiden, wer was mit seinen Firguren anstellt - im Namen des Urheberrechts. Ein Video mit trinkende Playmobilfiguren in der Disco, die zu den Klängen des Songs “I sexy” über die Tanzfläche schieben? Das wollen sie verbieten. Hintergründe bei netzpolitik.org und beim betroffenen Hamburger Künstler Plemo. Bei YouTube gibt es einen Ausschnitt aus dem Video.

2 comments March 9th, 2008

Einer weniger…


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… der kluge Dinge über Computer schreibt und die Heilsversprechen auseinander nimmt, mit denen viele diese Maschinen belegen. Diese Woche ist Joseph Weizenbaum gestorben. Die Süddeutsche hat am 8. Januar seinen Essay “Wir gegen die Gier” abgedruckt, ist wundervoll zu lesen.

Die Aufgabe der Wissenschaft ist es, der Natur Fragen zu stellen. Es gibt unendlich viele Fragen, die gestellt werden können. Von diesen müssen Wissenschaftler die wenigen wählen, die sie tatsächlich bearbeiten können. Diese Wahl ist vom Zeitgeist der Kultur, in der sie getroffen wird, stark geprägt, fast determiniert. Es folgt, dass die Naturwissenschaft sowie die von ihr abgeleiteten Technologien nicht wertfrei sind. Sie erben ihre Werte von den Werten der Gesellschaften, in die sie eingebettet sind. In einer hoch militarisierten Gesellschaft sind Wissenschaft und Technologie von den Werten des Militärs geprägt. In einer Gesellschaft, deren Werte hauptsächlich vom Streben nach Reichtum und Macht abgeleitet sind, sind sie entsprechend gestaltet. Die Werte der Wissenschaft, eingebettet in eine vernünftige Gesellschaft, würden vernünftig, also human sein. Dann würden die von ihr abgeleiteten Technologien nicht mehr dem Tod dienen, sondern dem Leben.

Übersicht Nachrufe:

heise.de: Der letzte Service: zum Tode von Joseph Weizenbaum

Der fulminante Einstieg in das Leben eines Computerkritikers lässt sich auf den Januar 1972 datieren, als in der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit Weizenbaums großer Aufsatz “Alptraum Computer” erschien, eine Abrechnung mit der Computertechnik generell, der KI-Forschung und dem Mythos vom fehlerfreien Programmieren. Weizenbaum schrieb damals: “Der meiste Schaden, den der Computer potenziell zur Folge haben könnte, hängt weniger davon ab, was der Computer tatsächlich kann oder nicht kann, als vielmehr von den Eigenschaften, die das Publikum dem Computer zuschreibt. Der Nichtfachmann hat überhaupt keine andere Wahl, als dem Computer die Eigenschaften zuzuordnen, die durch die Presse verstärkte Propaganda der Computergemeinschaft zu ihm dringen. Daher hat der Informatiker die enorme Verantwortung, in seinen Ansprüchen bescheiden zu sein.”

Der Text “Alptraum Computer” lässt sich hier nachlesen (pdf).

welt.de: Der maschinelle Makel

Mit ihm ist jemand gegangen, der den Primat des Menschlichen vor der Technik nicht nur behauptet, sondern ihn bravourös verteidigt hat.

golem.de: Computer-Rebell Joseph Weizenbaum ist tot

Am MIT schrieb er auch die Software, mit der er weltweit bekannt wurde: ELIZA, ein Programm zur Sprachanalyse. Das Programm simulierte eine Unterhaltung, indem sie eine Aussage eines Gesprächspartners einfach in eine Frage umformulierte. Elizas Nachfolger DOCTOR simulierte den Dialog eines Patienten mit einem Psychologen. Es sei bestürzend gewesen, schrieb Weizenbaum später, “wie schnell und wie intensiv Personen, die sich mit DOCTOR unterhielten, eine emotionale Bindung zum Computer herstellten und wie sie ihm eindeutig menschliche Eigenschaften zuschrieben.”

derstandard.at: Computerforscher Joseph Weizenbaum gestorben

Er warnte vor einem blinden Fortschrittsglauben und sagte über sich selbst einmal: “Ich bin kein Computerkritiker. Computer können mit Kritik nichts anfangen. Nein, ich bin Gesellschaftskritiker.”

nzz.ch: Gegen die Entmündigung durch die Technik

Bis zuletzt hatte Weizenbaum seinen Spass an Digitalkameras, Mobiltelefonen und der Kommunikation über das Internet, war Neuem gegenüber aufgeschlossen und bereit, den Unsinn in der Technik zu kritisieren, den er schneller entdeckte als viele Jüngere.

tagesspiegel.de: Ketzer der Informatik

Für ihn litten KI-Forscher mit ihrem Drang, künstliche Wesen herzustellen, an „Uterusneid“. Ich erzählte es trotzdem. Wieder überraschte er mich: Er entgegnete, er hätte erst kürzlich einen Vortrag von Minsky besucht und sei tief beeindruckt gewesen. So war er. Ein Zwitterwesen. Einer, der seine „Feinde“ liebte. Ein Computerexperte, der die moderne Technik zugleich bewunderte und hinterfragte.

Und hier gibt es die 80-Minuten-Dokumentation “Weizenbaum - Rebel at Work” zu bestellen.

Laut Auskunft einer Buchhändlerin sind seine Bücher derzeit beim Großhändler vergriffen.

Add comment March 9th, 2008

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