Artikel, die sich mit dem Thema Heiraten beschäftigen, sind meist ziemlich dämlich. Ich habe jetzt selbst einen geschrieben, für den Zeit-Zünder. Und damit gleich erklärt, warum dieses Blog in den letzten Wochen noch mehr als üblich vernachlässigt wurde.
September 9th, 2008
Olympia hält man als Sportwurst (wahlweise: Non-Pharma-Kunde) nur aus, wenn man sich drüber lustig macht. Eine kleine Videoserie, produziert vom NDR für die ARD, erledigt diese Aufgabe:
In acht Folgen präsentiert Klaas Butenschön bis zum Ende der Sommerspiele in Peking einige der olympischen Sportarten auf etwas andere Art und Weise - mit einem Augenzwinkern.

Erreichbar unter peking.ard.de Warum das hier steht? Die Clips wurden unter Creative Commons lizenziert. So ist cc auch in der ARD salonfähig geworden. Service für Blogger: die Videos via YouTube einbinden geht auch.
Die Folgen:
Folge 1: Ringen
Folge 2: Synchronspringen
Folge 3: Gewichtheben
Folge 4: Bogenschießen
Folge 5: Sprint
Folge 6: Taekwondo
Folge 7: Weitsprung
Folge 8: Moderner Fünfkampf
August 12th, 2008
Lohnt es sich für NGOs, Inhalte frei zu lizenzieren? Letzte Woche habe ich einer NGO erklärt, was Creative Commons ist, welche Vorteile der Einsatz von cc-Lizenzen hätte & worauf zu achten ist. Hier die Pro-Argumente zusammengefasst:
- NGOs sind abhängig von der Zivilgesellschaft. Ohne Rückhalt in der Bevölkerung können sie ihre Interessen schwerlich durchsetzen. Eine NGO tut gut daran, wenn sie ihren Unterstützern etwas zurückgibt.
- Eine NGO kann noch so mächtig bzw. finanziell gut ausgestattet sein - verglichen mit dem Potential, das der engagierten Breitband-Zivilgesellschaft innewohnt, sehen die Einflussmöglichkeiten jeder NGO mickrig aus. Man sollte seine Unterstützer einbinden und ihnen Ressourcen bereit stellen, die sie nutzen können. Also Videomaterial, das frei für eigene Filmprojekte genutzt werden darf. Oder Bilder, die Blogger nutzen dürfen; usw.
- Der Einsatz von cc-Lizenzen beschert jeder NGO viele neue Freunde. Nämlich die einflussreiche, meinungsfreudige und überdurchschnittlich häufig (meine Wahrnehmung) politisch engagierte Open-Source-Gemeinde. Das fördert das Image. Und hey, Freunde gewinnen ist eine tolle Sache!
Was ist zu beachten?
Ich weiß, ich weiß: Wäre die Rechteklärung nicht so abartig kompliziert, würden viele NGOs längst frei lizenzieren. Rechteklärung und die Einigung mit Autoren und bzw. deren Interessenvertretungen ist schwierig. Einige Tipps:
- Unbedingt versuchen, die Urheber von CC zu überzeugen. Viele empfinden Internet & Co als existenzbedrohend, diese Ängste muss man ernst nehmen. Argumente, die helfen, sie zu zerstreuen:
- Was der NGO - dem Auftraggeber der Autoren - nutzt, nutzt im Endeffekt auch den Autoren.
- Viele Urheber wollen nicht, dass z. B. Blogger ihre Werke unentgeltlich veröffentlichen. Anders betrachtet: Auftraggeber von z. B. Fotografen waren und sind NGOs, nicht Privatpersonen. Wenn die jetzt via Blogs die Werke veröffentlichen, entsteht den Urhebern kein kommerzieller Schaden - sie waren schließlich nie Kunden der Urheber, und sie werden es auch nie werden. Blogger helfen, den Namen der Urheber bekannt zu machen. Das kann sich in weitere Aufträge übersetzen. (Gutes Google-Ranking ist Gold wert.) Gegen eine klar kommerzielle Nutzung verwahrt man sich, indem man eine cc-Lizenz wählt, die die kommerzielle Nutzung untersagt.
- Kreative Werke haben sowas wie eine “Lebensdauer” - irgendwann sind sie kommerziell nicht mehr interessant. Dann kann man sie entweder unerreichbar in ein Archiv sperren, oder man stellt sie frei ins Netz. Letzteres ist eindeutig die bessere Idee.
- Mit einem kleinen, überschaubaren Pilotprjekt anfangen, Erfahrungen sammeln und gucken, was passiert.
Immer wieder wird der Wunsch nach “100%iger Rechtssicherheit” und “Kontrolle” geäußert. Das geht nicht im Internet. An den Gedanken muss man sich gewöhnen. Ist gar nicht so schlimm, das Leben geht weiter.
Nicole Ebber hat ihre Diplom-Arbeit über cc in NGOs geschrieben - habe ich nicht gelesen, aber es stehen bestimmt einige interessante Sachen drin.
August 3rd, 2008
Habe mich als Jurymitglied des diesjährigen “OpenMusicContest” in den letzten Tagen durch Stunden von Musik gehört. Mir schlackern jetzt noch die Ohren. Ich kenne jemanden, der sagt etwas gehässig, dass Creative Commons das “Urheberrecht der Dilettanten” sei. Nun ja. 4 Bands fand ich super, bei den anderen, ich sach mal… da ist noch Potential drin. Bin gespannt, wer das Rennen macht.
Auf jeden Fall ein schönes Projekt, das die Leute um Meik Michalke jährlich stemmen.
Beim OpenMusicContest des Marburger AStA handelt sich um einen bundesweiten, international einzigartigen Wettbewerb zur Diskussion um die Freiheit von Kultur mit besonderen Teilnahmebedingungen.
Die Musikstücke, mit denen sich die Bands bewerben, müssen unter einer Creative Commons-Lizenz stehen. D.h. diese Musik wird “frei” — sie darf kopiert und verbreitet werden, solange dabei die Urheber/innen des Stücks genannt werden und wiederum auf die Lizenz hingewiesen wird. Dabei können die Bands darüber entscheiden, ob dies auch für die kommerzielle Nutzung gestattet ist, und ob die Stücke auch in veränderter Fassung verbreitet werden dürfen oder nicht. So ist es möglich, die veröffentlichten Sampler auch zum freien Download anzubieten. Der OpenMusicContest gilt als eines der größten Real-Life-Events der Creative Commons Community.
July 31st, 2008
Der Mann mit der Überdosis Charisma hat gestern an der Siegessäule erwartungsgemäß über alles gesprochen, was man so sagen muss als Präsidentschaftskandidatenkandidat ((c) Extra 3). Was der deutsche Übersetzer gestern unterschlagen hat, aber mir beim nochmaligen Gucken auf Video und Dank Zweikanalton auffiel: Obama hat sogar iranische Blogger in seiner Rede untergebracht. Politiker Deutschlands, schaut auf diesen Mann!
July 25th, 2008
Wie jeder normale Mensch nutze ich jede freie Minute, um zu überlegen, wie die Weltherrschaft am besten errungen werden kann. Der vielversprechendste Weg scheint mir eine Art Geheimbund/Gewerkschaft der Admins. Welche Macht diese Berufsgruppe hat/haben könnte, zeigt dieser bei heise.de beschriebene Vorfall:
Netzwerkadministratoren der Stadt San Francisco haben noch immer keinen Zugang zum Backbone des städtischen Computersystems. Ein Administrator und Mitgestalter des “FiberWAN-Network” hat sich in einer Art “Cyber-Coup” des Systems bemächtigt, indem er den Zugang auf ein Passwort beschränkte, das nur er kennt. Der IT-Fachmann, der seit Montag in Untersuchungshaft sitzt, weigert sich, das richtige Passwort herauszugeben.
…
Das FiberWAN-Network verwaltet laut Informationen des Online-Portals des San Francisco Chronicle 60 Prozent der Vorgänge der städtischen Behörden San Franciscos, hervorgehoben werden der E-Mail-Verkehr zwischen Behördenleitern, Strafakten von Ermittlungsbehörden und Gehaltsabrechnungen.
July 20th, 2008
Ein Beitrag aus der Reihe “Technik macht mich überflüssig”: Ich leide an einer ausgeprägten Nachrichten- und Lesesucht und habe im Laufe meines Lebens haufenweise unnützes Wissen angesammelt. An meinem Status als Allwissende Müllhalde sägt seit Wochen das neue, tragbare Google-Gerät meines Freundes. Also er hat sich ein internetfähiges Handy zugelegt, und nachdem er mich irgendwas gefragt hat - zur politischen Situation in Kolumbien, woher die Adoptivkinder Brangelinas stammen oder wie das mit dem Telekom-Paket war - und er mit der Antwort nicht zufrieden ist, zückt er sein Handy und googelt nach. Manchmal fragt er mich gar nicht erst, sondern googelt sofort. Natürlich ist Google eine viel bessere Allwissende Müllhalde als ich. Das ist echt eine kränkende Erfahrung! Mmphfff.
July 19th, 2008
tagesschau.de ist jetzt auch beim NDR Miro Player dabei.

Aus dem Tagesschau-Blog:
Meine NDR-Online-Kollegen haben vor ein paar Tagen zusammen mit dem Miro-Team einen Player entwickelt, den “NDR Miro Player”. Nun sind wir auch mit dabei und tauchen neben den NDR-Podcasts mit unseren tagesschau.de-Podcasts als voreingestellte Inhalte mit auf.
Sven wird “Kollege des Monats”.
Eintrag im Miro-Blog hier.
July 17th, 2008
Eigentlich kann ich Künstler nicht leiden. Aber es gibt Ausnahmen. Die Leute von “Walk Through” machen ein interessantes Projekt auf, mit und über den Steindamm in St. Georg. Wenn man die Straße entlang läuft, trifft man streng gläubige Muslime, weniger streng gläubige Muslime, Drogenszene, Prostituierte samt Kundschaft, alles dabei. Idee ist, all diese Menschen in das Projekt mit einzubinden.
Der Versuch, ein künstlerisches Projekt auf eine Straße zu legen, ist begründet in der Vielfalt, der Divergenz, der Kontraste, den Nachbarschaften von Banalem und Tragischem, Bizarrem und Glanzlosem, dem Leben und Sterben einer Stadt auf engstem Raum.
Aus der Projektbeschreibung.
Boran Burchhardt arbeitet zum Beispiel mit den Leuten aus der Centrum-Moschee zusammen. Morgen ist Eröffnung und wer mag, kommt gerne vorbei.
Das superchice Projekt-Weblog stammt übrigens von Axel, der “Walk Through” mitorganisiert.
July 17th, 2008
Ist es eine gute Idee, öffentlich-rechtliche Inhalte generell unter eine sehr freie Lizenz zu stellen? Z. B. unter eine cc-Lizenz, die die kommerzielle Nutzung erlaubt? Seit dem vorherigen Blogeintrag liegt meine Stirn in tiefen Denkfalten, den ganzen halben Tag Abend habe ich herumüberlegt.
Ich bin Fan davon, dass öffentlich-rechtliche Sender ihre Inhalte frei lizenzieren. Immerhin bezahlt uns die Allgemeinheit.* Darum sollen die geschätzten Gebührenzahler das Recht haben, die mit ihren Geldern finanzierten Filme, Radiobeiträge oder Texte zu nutzen. Nun kann man argumentieren: Auch Unternehmen wie die “Zeit” müssen an die GEZ überweisen. Darum sollte der Traum von Herrn Blau, Chefredakteur bei Zeit Online, wahr werden: Sein Unternehmen zahlt, darum sollte es öffentlich-rechtliche Beiträge nutzen & die Inhalte einbinden dürfen und damit kommerziell verwerten.
Das Argument ist gut. Aber es gibt andere Argumente, die diese Option als eine unglückliche entlarven.
Wenn Dritte einen Inhalt kommerziell nutzen, sollten Urheber in irgendeiner Form beteiligt werden. Normalerweise wird z.B. ein Online-Zuschlag gezahlt, das würde mit einer radikal freien Lizenz wegfallen. Ich hätte Bauchschmerzen, wenn ein Unternehmen wie die Zeit mit ehemals öffentlich-rechtlichen Inhalten munter Werbegelder einstreichen würde, davon aber nichts an die Urheber zurückfließt.
Stellen wir uns mal vor, die ö-r stellen plötzlich ihre Inhalte unter die CC-BY. Knausrige Verleger werden sofort das Programm “Wir müssen Kosten sparen!” abspulen, eigene Journalisten nach Hause schicken und für lau die ö-r Inhalte nutzen. Eine Verarmung der deutschen Medienlandschaft wäre die Folge. Sehr unattraktiv, dieses Szenario.
Ich als Privatperson bin also weiter dafür, dass ö-r Inhalte frei lizenziert werden. Aber die kommerzielle Nutzung sollte untersagt bleiben. Die Nutzung zu privaten Zwecken immer gerne.
CC-BY mit Kulturflatrate wiederum kann ich mir vorstellen.
*Mich auch, ein warmes Lächeln an dieser Stelle an alle Gebührenzahler. (Dieser Satz sollte als Disclaimer durchgehen.)
July 15th, 2008
Next Posts
Previous Posts