Was wird jetzt aus der Schrankwand?
February 17th, 2008
Deprecated: preg_replace(): The /e modifier is deprecated, use preg_replace_callback instead in /www/htdocs/w00748bc/wp-includes/formatting.php on line 82
Dieser Gedanke beschäftigt mich, seit ich weiß, dass der Brockhaus den Wikipedia-Weg geht und kostenlos im Netz veröffentlicht wird. Wahrscheinlich stellt der Verlag die Offline-Version der Enzyklopädie ganz ein. Gut, der Brockhaus lebt im Netz weiter - hoffentlich. (Soll sich über Werbung finanzieren, und das schaffen bekanntlich die wenigsten. Toi, toi, toi an dieser Stelle.) Aber was wird aus der Schrankwandindustrie? Die ist ja auf die dicken Bände und die Offline-Welt angewiesen.
In der Süddeutschen vom 14. Februar dagegen sorgt sich Andrian Kreye anlässlich der Brockhaus-Nachricht über die fortwährende Entwertung kultureller Arbeit/Kunst durch das Internet.
Das Internet aber ist zunächst einmal ein Medium, das auf einem Geschäftsmodell gegründet wurde, in dem die Inhalte von Anfang an einem rapiden Prozess der Entwertung ausgesetzt waren. Weil aber auch ideelle Werte eine ökonomische Grundlage brauchen, führt die rasante Entwicklung der neuen Medien dazu, dass traditionelle Kulturformen verschwinden. So wie nun die Enzyklopädien.
Hat er teilweise Recht. So faszinierend das Netz ist und was die Leute damit anstellen - Kulturproduzenten ist die Kontrolle über die Verbreitung ihrer Werke genommen, die kriegen sie auch niemals wieder, alte Geschäftsmodelle brechen weg. Die neuen stecken noch in der Experimentierphase, und wer nicht herumprobiert, ist draußen. Siehe Brochkaus. Es gibt aber interessante Beispiele, die zeigen, dass Internet und Kulturproduzenten Freunde werden können: Bands geben ihre Musik umsonst im Netz weg und verkaufen trotzdem massenhaft CDs, siehe Radiohead. Oder das Cory-Doctorow-Modell: Alle seine Bücher stehen frei auf seiner Webseite, trotzdem erleben sie eine Auflage nach der anderen. Und obwohl Filme im Netz stehen, gehen die Leute immer noch ins Kino. Kino ist eben ein sozialer Ort, ein Freitagabendritual.
Kreye schimpft über “parasitäre” digitale Strukturen:
An diesem Modell hat sich nur insofern etwas geändert, dass sich die Inhalte im Internet vervielfacht haben und nun zumeist von den traditionellen Kulturproduzenten oder im so genannten Web 2.0 von den Konsumenten selbst gratis angeboten werden. Da aber zeigt sich die parasitäre Wirkung des Internet ganz deutlich. Denn was bisher über das Netz transportiert wurde, waren nur Klone traditionelle Inhalte und Formen. Die vielgelobten Blogs und Sammelportale wiederum tun in den meisten Fällen nichts anderes, als traditionelle Inhalte durch eine Zweitverwertung noch weiter zu entwerten.
Naja. Indem ich, andere Blogger und natürlich Google den Kreye-Artikel verlinken, schaufeln wir SZ Online ein paar mehr PIs auf die Seite. Das freut die Bannerverkaufsabteilung, die nun den Anzeigenkunden höhere Preise abknöpfen kann. Was wiederum den Autoren der SZ zugute kommt. Die meisten Blogeinträge beziehen sich auf Artikel der Massenmedien, da sollten die sich eigentlich freuen und nicht Blogger immer als digitale Schmutzfinken brandmarken. Blogger entwerten keinesfalls Texte, indem sie kommentieren. Sie teilen ihre Gedanken mit anderen und bereichern so die Diskussion. Ok, ok, es gibt viele Blogs, da steht nur Müll drin. Ich zitiere hier gern Leonhard Dobusch: “Herrgott, 90 Prozent von allem ist Müll! Das ist bei Blogs nicht anders.”
Die Macht von Gatekeepern beklagt Kreye auch:
Was da als Demokratisierung und Befreiung gefeiert wird, ist letztendlich die Entwertung einer Kulturproduktion, die einer Industrie zu Gute kommt, die Kulturgüter als “Content” versteht, sowie Autoren und Kreative als “Content Provider”, als Inhaltslieferanten betrachtet. Es sind vor allem die Telekomriesen, die am Internet verdienen, weil sie den Zugang zu einer Verwertungskette verkaufen, in der selbst die Werbung nur ein zweiter oder dritter Schritt ist.
Stimmt. Nicht nur Telekomriesen, vor allem Google ist doch der größte Parasit aller Zeiten: Der Suchmaschinenengigant erschafft nix, bietet nur Zugang zu Inhalten - und verdient sich damit dumm und dämlich. Google News ist weltweit der größte Nachrichten-Anbieter, aber die beschäftigen keinen einzigen Journalisten. Das ist doch verrückt!
Das permanente Gestänkere gegen Blogs & Co. seitens Repräsentanten der Offline-Welt entspringt meiner Meinung nach einer tiefen Demütigung. Die Holzmedien samt Brockhaus und Andrian Kreye müssen sich längst die Lufthoheit über die öffentliche Meinung/Märkte mit Wettbewerbern aus dem Netz teilen. Das schmerzt. Wenn man nicht mehr der einzige Held auf dem Bolzplatz ist, sondern plötzlich viele mitkicken und manchmal auch treffen. Und jetzt hat die Wikipedia den 200 Jahre alten Brockhaus ganz vom Platz gefegt. Und die Schrankwandindustrie gleich mit.
Entry Filed under: Arbeit im Umbruch, Netzkultur, Urheberrecht
3 Comments Add your own
1. Jan Huwald | February 19th, 2008 at 11:17 am
Deprecated: preg_replace(): The /e modifier is deprecated, use preg_replace_callback instead in /www/htdocs/w00748bc/wp-includes/formatting.php on line 82
Ich sehe zwar in Google eine der größten Gefahren des anbrechenden Jahrhunderts, trotzdem wäre es falsch zu behaupten, dass sie nichts produzieren, sondern nur fremden Inhalt anbieten.
Das Internet hat die Kulturform des “Index” emanzipiert (durch Individualwertminderung anderer immaterieller Güter). Filterdienste und sinnvolle Verweise zu erzeugen ist selbst Produktion von Mehrwert. Das dieser im Fall von Google primär automatisiert erfolgt ändert an dieser Tatsache nichts, denn Maßstab muss das Ergebnis, nicht der Produktionsprozess sein.
2. Meike | February 20th, 2008 at 7:13 pm
Deprecated: preg_replace(): The /e modifier is deprecated, use preg_replace_callback instead in /www/htdocs/w00748bc/wp-includes/formatting.php on line 82
Ohne den Filter Google wäre Internet ziemlich anstrengend, stimmt. Die Suchmaschine funktioniert super, keine Frage, das ist ein Service, auf den niemand verzichten kann. Mir wandert aber zuviel Macht in den Filter. Da stimmen die Verhältnisse nicht.
3. leonhard | February 23rd, 2008 at 11:16 am
Deprecated: preg_replace(): The /e modifier is deprecated, use preg_replace_callback instead in /www/htdocs/w00748bc/wp-includes/formatting.php on line 82
freut mich natürlich sehr, dass du die erkenntnis zum verhältnis von qualität und quantität mir zuschreibst, wie das aber bei allgemeingültigen weisheiten so ist, gibt es meistens jemand anderen, der sie schon lange vor einem selbst erkannt hat, die “attribution” gehört in diesem fall eigentlich dem science fiction autor Sturgeon (deshalb auch: “Sturgeon’s law” ) und bezog sich auf ursprünglich auf dessen literarisches genre.
trotzdem danke für die props..
Leave a Comment
Some HTML allowed:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>
Trackback this post | Subscribe to the comments via RSS Feed