Posts filed under 'Creative Commons'

Überlegt und dagegen entschieden

Ist es eine gute Idee, öffentlich-rechtliche Inhalte generell unter eine sehr freie Lizenz zu stellen? Z. B. unter eine cc-Lizenz, die die kommerzielle Nutzung erlaubt? Seit dem vorherigen Blogeintrag liegt meine Stirn in tiefen Denkfalten, den ganzen halben Tag Abend habe ich herumüberlegt.

Ich bin Fan davon, dass öffentlich-rechtliche Sender ihre Inhalte frei lizenzieren. Immerhin bezahlt uns die Allgemeinheit.* Darum sollen die geschätzten Gebührenzahler das Recht haben, die mit ihren Geldern finanzierten Filme, Radiobeiträge oder Texte zu nutzen. Nun kann man argumentieren: Auch Unternehmen wie die “Zeit” müssen an die GEZ überweisen. Darum sollte der Traum von Herrn Blau, Chefredakteur bei Zeit Online, wahr werden: Sein Unternehmen zahlt, darum sollte es öffentlich-rechtliche Beiträge nutzen & die Inhalte einbinden dürfen und damit kommerziell verwerten.

Das Argument ist gut. Aber es gibt andere Argumente, die diese Option als eine unglückliche entlarven.

Wenn Dritte einen Inhalt kommerziell nutzen, sollten Urheber in irgendeiner Form beteiligt werden. Normalerweise wird z.B. ein Online-Zuschlag gezahlt, das würde mit einer radikal freien Lizenz wegfallen. Ich hätte Bauchschmerzen, wenn ein Unternehmen wie die Zeit mit ehemals öffentlich-rechtlichen Inhalten munter Werbegelder einstreichen würde, davon aber nichts an die Urheber zurückfließt.

Stellen wir uns mal vor, die ö-r stellen plötzlich ihre Inhalte unter die CC-BY. Knausrige Verleger werden sofort das Programm “Wir müssen Kosten sparen!” abspulen, eigene Journalisten nach Hause schicken und für lau die ö-r Inhalte nutzen. Eine Verarmung der deutschen Medienlandschaft wäre die Folge. Sehr unattraktiv, dieses Szenario.

Ich als Privatperson bin also weiter dafür, dass ö-r Inhalte frei lizenziert werden. Aber die kommerzielle Nutzung sollte untersagt bleiben. Die Nutzung zu privaten Zwecken immer gerne.

CC-BY mit Kulturflatrate wiederum kann ich mir vorstellen.

*Mich auch, ein warmes Lächeln an dieser Stelle an alle Gebührenzahler. (Dieser Satz sollte als Disclaimer durchgehen.)

7 comments July 15th, 2008

Warten und hoffen

Wolfgang Blau ist halbwegs neuer Chefredakteur von “Zeit Online”. In einem Interview mit “Infosat” äußert er einen Wunsch:

Digitalmagazin: Wird es auch Kooperationen mit Mediatheken anderer Sender wie Arte, ARD oder gar einem privaten Anbieter geben?

Blau: Wir sind für viele Ideen offen, privater wie öffentlich-rechtlicher Art. Man sollte aber nicht unterschätzen, wie unendlich kompliziert die Urheberrechtssituation bei der Online-Nutzung von Fernsehinhalten werden kann. Ich warte und hoffe auf den Tag, an dem öffentlich-rechtliche Sender ihre eigenen Inhalte unter einer Creative-Commons-Lizenz ins Netz stellen werden.

Die “unendliche komplizierte Urheberrechtssituation” plagt tatsächlich jeden, der im Online-Bereich arbeitet. Die Copyright-Bredouille erschwert den Öffentlich-Rechtlichen auch eine freiere Lizenzierung ihrer Inhalte. Wenn ich mal kurz aus dem gebührenfinanzierten Nähkästchen plaudern darf: Mein Arbeitgeber NDR hat ja ein kleines cc Projekt. Klein ist es, weil wir nur freigeben können, woran wir auch alle Rechte haben. Sobald Musik dabei ist (meistens der Fall), fällt die Option cc aus. Filmemacher arbeiten aus Gewohnheit mit GEMA-Musik, und die freie Musik gefällt ihnen oft nicht besonders. Oder es wird fremdes Filmmaterial verwendet, auch dann stirbt die cc-Option. Es gab diverse Anfragen von NDR Autoren, die gern ihre Sachen unter cc stellen wollten. Auftauchende rechtliche Unwägbarkeiten haben das immer verhindert.

Und selbst wenn die Situation besser wird, die Autoren z. B. nur freie Musik verwenden für Sachen, die ins Netz sollen - nie werden die öffentlich-rechtlichen Sender Lizenzen verwenden, die die kommerzielle Nutzung freigeben. (Das wäre eine Voraussetzung, damit Zeit Online öffentlich-rechtliche Inhalte ohne Nachfragen verwenden dürfte.) Dann wäre den Sendern der Zorn ihrer Autoren gewiss: Denen vermitteln, dass Dritte ihre Inhalte kommerziell nutzen dürfen, ohne dass sie, die Urheber, davon profitieren - unmögliche Aufgabe.

4 comments July 14th, 2008

Big Buck Bunny

Der neue Blender-Film Big Buck Bunny steht ab Freitag im Netz.

Add comment May 29th, 2008

Economies of the Commons: Darum geht’s

Ich möchte nachreichen, worum es bei der Konferenz “Economies of the Commons” eigentlich geht. Aus der Programmankündigung:

Strategies for Sustainable Access and Creative Reuse of Images and Sounds Online
This dossier documents and brings together background materials for the international conference Economies of the Commons. This public working conference and its side programs address the remarkable cultural, educational and societal significance of the new types of audiovisual commons resources that are currently being created on the internet. Sustainable public access and enhanced opportunities for creative reuse of these resources are the particular focus of this conference and this web dossier.

Superrelevant also. Ein Speaker, dessen Name mir leider entfallen ist, hat das Dilemma der klassischen Archive gut umrissen. In etwa so: Überall in Europa existieren Archive, die voller wunderbarer audiovisueller Juwelen stecken. Der Haken: Möchte man sie sehen, muss man schon hinfahren. Die Archivare dürfen die Sachen nicht online stellen - sie haben die Rechte nicht. Rechteklärung ist meist unmöglich. Nicht mal Filme, die von 1908 (!) stammen, kann man online verfügbar machen. Effekt: 95 % des Archivbestands wird niemals angesehen - die Sachen verstauben in Kellern. Während 95 % aller YouTube-Videos mindestens einmal angesehen werden. Stichwort Long Tail.

Das raubt den Archivaren den Schlaf - sie haben die Filme, es gibt das Internet, manchmal sogar das Budget, um Archive zu digitalisieren - aber aufgrund von urheberrechtlichen Problemen bleibt das Material unerschlossen und unerreichbar.

Es ging hier viel um “orphan works”, verwaiste Werke, deren Rechteklärung undurchführbar ist. Man braucht dringend eine Lösung - es zeichnet sich aber nichts ab.

4 comments April 12th, 2008

Mutti, stell Dir vor

Ich sitze jetzt in einem Beirat. Bei irights.info. Ich freue mich sehr.

Das nennt man Egoblogging, wie Sebastian mir gerade erklärt. Der ist auch bei der “Economies of the Commons” zu Gast. Die Welt der Netzpolitikinteressierten ist klein.

Add comment April 11th, 2008

re:publica: Der Rückkanal stimmte

Ich weile momentan in Amsterdam auf der “Economies of the Commons” Konferenz. Themen sind spannend, aber hier fehlt eindeutig der Rückkanal. Es gibt kaum Zeit, den Vortragenden Feedback zu geben, zu kritisieren. Das ist ein Verlust, ich bin kein Fan des Modells “Vorne-spricht-einer-und-der-Rest-lauscht-andächtig”. Das war auf der re:publica anders, da herrschte eine viel offenere Diskussionskultur. Kein Wunder, Blogger machen ja den lieben langen Tag nichts anderes als zu kommentieren und Ideen und Positionen anderer auseinander zu nehmen. Das ist gut, es bringt Projekte und Ideen voran. Blogger wenden Open-Source-Prinzipien auf Kommentarkultur an - so kann man es vielleicht zusammenfassen.

Ansonsten bin ich heute geistig etwas zerzauselt. Gestern war die Premiere des neuen Blender-Films “Big Buck Bunny”. Paul hat die Konferenzteilnehmer netterweise eingeschleust. Es wurde spät. Sehr spät.

Mochte den Film, aber “Elephants Dream” liegt mir mehr am Herzen. “Big Buck Bunny” ist voller putziger Tierchen, Fell spielt eine große Rolle. Und harmonische Regenbogenfarben. ED war dunkel und verstörend, das ist eher meins. Ende Mai soll der Film im Netz stehen.
Ansonsten habe ich meine Netzteil in Hilversum liegen lassen und bin leicht panisch. Mit Glück kommt es abends zu mir zurück. Bitte bitte.

Add comment April 11th, 2008

re:publica: schön war’s + Videos

Zurück von der re:publica - ich hatte eine gute Zeit. Menschen getroffen, viel zugehört und viel geredet. Und gefeiert. Darum habe ich auch nichts gebloggt. Mache ich nie auf Konferenzen. Schließlich waren noch 799 andere Blogger da, die berichtet haben. Vielleicht schreibe ich in den nächsten Tagen noch ein Fazit und einige Gedanken auf, aber ich bin unterwegs, wird schwierig.

Alle Videos der Konferenz finden sich bei hobnox.

Und hier ist das Video zum Creative-Commons-Panel. Mit Nicole Ebber, Jürgen Werwinski, Stefan Kluge, John Hendrik Weitzmann und mir als Moderatorin. Fand die Runde gut - wunderbare Diskutanten. Mario Sixtus war leider verhindert, Stefan ist kurzfristig eingesprungen.

hobnox2.jpg

Danke an alle Organisatoren!

Add comment April 7th, 2008

re:publica: Panel zu Creative Commons

Heute Abend steige ich in den Zug Richtung re:publica und möchte kurz auf ein von mir moderiertes Panel “Creative Commons - Tools for the Remix-Generation” hinweisen. Es diskutieren Mario Sixtus (Elekrischer Reporter, hoffentlich), Jürgen Werwinski (NDR) und Nicole Ebber (zeitgeisty.cc). Nach fünf Jahren CC ist die Phase” Wie geht das? Aha. Praktisch, dass es das gibt!” abgeschlossen. Wir wollen das Phänomen mal näher beleuchten:

Wer wendet cc eigentlich an? Ist es nur ein Baukasten-Lizenzsystem für Kreativ-Dilettanten? Oder nutzen es auch Vertreter der klassischen Medien/Kunstwelt? Sind freie Inhalte eine Grundbedingung, damit mündige Netzbürger ihren digitalen Alltag leben können?

Hat jemand weitere Diskussionspunkte? Fragen, die er/sie immer schon mal stellen wollte? Bitte in die Kommentare.

Und jetzt verstaue ich noch eine Dreiersteckdose in meiner Reisetasche. Wie auf jeder Blogger/Nerdkonferenz wird mir das viele neue Freunde bescheren ;-)

Add comment April 1st, 2008

Zu freier Software verführen

Hardcore-Fans freier Software versuchen oft auf diese Art, Nutzer proprietärer Software zu bekehren: “Waaaaas? Du benutzt immer noch Windows? Wie minderbemittelt bist du eigentlich?!” Aus eigener Anschauung weiß ich: Die Strategie ist selten (nie) von Erfolg gekrönt. “Bekehren” ist sowieso der falsche Ansatz. Man muss verführen. Mit einfachen zu installierenden & bedienbaren Anwendungen. Und man muss den Leuten (vor allem den Mädels) die Angst nehmen. Viele denken nämlich immer noch, dass der Einsatz freier Software ein Informatiker-Grundstudium erfordert. Das war mal so, aber mit (K)Ubuntu (Danke Mark!) und z. B. der Bloggersoftware Wordpress sind die Zeiten vorbei.

Das ist eine der Lehren, die Axel und ich aus dem “Open Sources” Workshop ziehen, den wir  im Rahmen der Medienwerkstatt der Sozialistischen Jugend Linz gegeben haben. Wordpress fanden alle Teilnehmer super. Wikis auch. Die Grundidee freier Software sowieso.

Beim Thema freie Inhalte gab es auch noch einige interessante Offenbarungen - dazu vll. später.
PS: Mit Jugendlichen arbeiten ist super. Ist aber auch anstrengend, wenn 140 Jugendliche um einen herumtoben. Ich könnte problemlos eine Woche nachschlafen.

PPS: Sachertorte ist überbewertet.

8 comments January 11th, 2008

Literatur galore

Die Literaturliste für das Seminar “Netzwerkgesellschaft und Nachhaltigkeit: die Teilhabe an der kulturellen Produktion” (zusammen mit Rolf Grossmann an der Leuphana Universität Lüneburg) steht. Im Kern soll es im Seminar darum gehen:

  • Begriff von Nachhaltigkeit für die digitale Welt entwickeln. Weil: Konzept der Nachhaltigkeit ist auf die analoge Welt gemünzt und passt nicht auf digitale Umgebungen; Information wächst durch Teilung, Abwesenheit von Knappheit usw. Nur von nix kommt nix, also ich will sagen es gibt ja bestimmte Gründe, warum sich im Netz wertvolle, spannende, innovative Dinge/Anwendungen/Projekte/Files/Plattformen finden. Stichwort Code is law, Net Neutrality etc… Wie müssen die kulturellen, politischen, rechtlichen, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beschaffen sein, damit das Netz weiter der offene Abenteuerspielplatz bleibt, den wir so sehr lieben?
  • wie schafft man mehr (digitale) Verteilungsgerechtigkeit?

Hier die Literaturliste. Als Service für alle, die noch Material für ihre Magisterarbeit suchen.

Und wer ein paar Antworten weiß, der darf sie gerne posten.
READER:

Barlow, John Perry: A Declaration of the Independence of Cyberspace. Electronic Frontier Foundation

Boyle, James: Eine Politik des geistigen Eigentums: Umweltschutz für das Internet? In: Hofmann, Jeanette (Hg.): Wissen und Eigentum. Geschichte, Recht und Ökonomie stoffloser Güter. Bonn 2006, S. 21-38

Castells, Manuel: Informationalismus und die Netzwerkgesellschaft. In: Himanen, Pekka: Die Hacker-Ethik und der Geist des Informations-Zeitalters. München 2001, S. 179-204

Doctorow, Cory/ Richter, Meike: Kopieren als Chance. NDR Online vom 10. Oktober 2007
Dreier, Thomas/ Nolte, Georg: Einführung in das Urheberrecht. In: Hofmann, S. 41-63

Euler, Ellen: Creative Commons: Mehr Innovation durch die Öffnung des Urheberrechts? In: Drossou, Olga/ Krempl, Stefan/Poltermann, Andreas: Die wunderbare Welt der Wissensvermehrung. Wie Open Innovation unsere Welt revolutioniert. Hannover 2006, S. 147-158

Gehring, Robert A.: FOSS, die Firma und der Markt. In: Hofmann, S. 279-297

Heidenreich, Martin: Merkmale der Wissensgesellschaft (Papier für die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung). In: Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung u.a. (Hg.): Lernen in der Wissensgesellschaft. Innsbruck 2002, S. 334-363

Hofmann, Jeanette/ Katzenbach, Christian: Einleitung. In: Hofmann, S. 9-20

Krempl, Stefan: WOS 4: Geldverdienen mit freier Musik funktioniert

Krempl, Stefan: Weniger privat kopieren, mehr Vergütungspauschale zahlen


Kuhlen, Rainer: Napsterisierung und Venterisierung - Bausteine zu einer politischen Ökonomie des Wissens. In: PROKLA - Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft. 32, 4/2002. 2002

Lanier, Jaron: Digitaler Maoismus. Kollektivismus im Internet, Weisheit der Massen, Fortschritt der Communities? Alles Trugschlüsse

Luyt, Brendan: Who benefits from the Digital Divide?

Lovink, Geert: Zugriff verweigert.

O’Reilly, Tim: What is Web 2.0? Design Patterns and Business Models for the Next Generation of Software


Richter, Meike: Ende des Popcorn-Kinos? In: Directed. Februar 2007, Berlin, S. 26f

Spielkamp, Matthias: Andere Zeiten, andere Lizenzen.

WEITERFÜHRENDE LITERATUR

Castells, Manuel: The Rise of the Network Society. Second Edition. Oxford 2000

Grassmuck, Volker: Freie Software. Zwischen Privat- und Gemeineigentum. Bonn 2004

Ghosh, Rishab Aiyer: Code. Collaborative Ownership and the Digital Economy. Cambridge 2005

Haring, Bruce: MP3 - Die digitale Revolution in der Musikindustrie. Freiburg 2002

Kreutzer, Till: Das Spannungsfeld zwischen Wissen und Eigentum im neuen Urheberrecht. In: Hofmann, S. 109-140

Lessig, Lawrence: Free Culture. New York 2004

Röttgers, Janko: Mix, Burn & R.I.P.: Das Ende der Musikindustrie. Hannover 2003

Steinmetz, Ralf: Multimedia-Technologie. Grundlagen, Komponenten und Systeme. Berlin 1999

Der Sammelband “Wissen und Eigentum” von Jeanette Hofmann/Christian Katzenbach ist exzellent. Steht frei im Netz und kostet ansonsten nur 2 Euro. Die Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht in dem Themenbereich gute Sachen.

Allen Lesefaulen, die sich nie an die über 1000seitige Trilogie von dem Castells rangetraut haben, sei sein Aufsatz im Himanen-Buch ans Herz gelegt. Da erklärt er auf wenigen Seiten seine Theorie der Netzwerkgesellschaft. (Nein, ich habe die Trilogie auch nicht vollständig gelesen. Aber den ersten  Band!)

1 comment October 22nd, 2007

Previous Posts


Categories

Blogroll

Feeds