Posts filed under 'Netzkultur'
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Ich gehe gerne in Elektronikfachmärkte - nicht unbedingt, um zu konsumieren, ich betreibe dort Gesellschaftsstudien. (Alte Kulturwissenschaftler-Marotte.) Letztens stand ich staunend vor dem Regal “Handy-Tuning”. Es gibt anscheinend einen florierenden Markt für allerlei Zeugs, mit dem sich weibliche Teenager (vermute ich jetzt mal) ihr Handy aufmotzen: Meterweise dicke Stoffschweinchen, weiße Pummelhasen, große Plastikperlen, Comicfiguren… Kreuze mir Strasssteinchen, Herzen mit Strasssteinchen… es gab alles. Wunder der Marktwirtschaft. Was treibt Menschen dazu, ihr Mobiltelefon zu tunen? Verschafft diese Praxis evolutionäre Vorteile? Dient das als Unterscheidungsmerkmal bei Teenager-Clans? Als Kulturwissenschaftlerin habe ich von allem etwas Ahnung, aber von nichts wirklich. Darum Anregung an mitlesende Soziologen: Wenn ihr was über die Gesellschaft rausfinden wollt, verlasst die Bibliotheken oder sozialen Brennpunkte oder wo immer ihr steckt - bei Mediamarkt und Saturn warten unerforschte Rätsel auf Erklärung.

March 5th, 2008
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Dieser Gedanke beschäftigt mich, seit ich weiß, dass der Brockhaus den Wikipedia-Weg geht und kostenlos im Netz veröffentlicht wird. Wahrscheinlich stellt der Verlag die Offline-Version der Enzyklopädie ganz ein. Gut, der Brockhaus lebt im Netz weiter - hoffentlich. (Soll sich über Werbung finanzieren, und das schaffen bekanntlich die wenigsten. Toi, toi, toi an dieser Stelle.) Aber was wird aus der Schrankwandindustrie? Die ist ja auf die dicken Bände und die Offline-Welt angewiesen.
In der Süddeutschen vom 14. Februar dagegen sorgt sich Andrian Kreye anlässlich der Brockhaus-Nachricht über die fortwährende Entwertung kultureller Arbeit/Kunst durch das Internet.
Das Internet aber ist zunächst einmal ein Medium, das auf einem Geschäftsmodell gegründet wurde, in dem die Inhalte von Anfang an einem rapiden Prozess der Entwertung ausgesetzt waren. Weil aber auch ideelle Werte eine ökonomische Grundlage brauchen, führt die rasante Entwicklung der neuen Medien dazu, dass traditionelle Kulturformen verschwinden. So wie nun die Enzyklopädien.
Hat er teilweise Recht. So faszinierend das Netz ist und was die Leute damit anstellen - Kulturproduzenten ist die Kontrolle über die Verbreitung ihrer Werke genommen, die kriegen sie auch niemals wieder, alte Geschäftsmodelle brechen weg. Die neuen stecken noch in der Experimentierphase, und wer nicht herumprobiert, ist draußen. Siehe Brochkaus. Es gibt aber interessante Beispiele, die zeigen, dass Internet und Kulturproduzenten Freunde werden können: Bands geben ihre Musik umsonst im Netz weg und verkaufen trotzdem massenhaft CDs, siehe Radiohead. Oder das Cory-Doctorow-Modell: Alle seine Bücher stehen frei auf seiner Webseite, trotzdem erleben sie eine Auflage nach der anderen. Und obwohl Filme im Netz stehen, gehen die Leute immer noch ins Kino. Kino ist eben ein sozialer Ort, ein Freitagabendritual.
Kreye schimpft über “parasitäre” digitale Strukturen:
An diesem Modell hat sich nur insofern etwas geändert, dass sich die Inhalte im Internet vervielfacht haben und nun zumeist von den traditionellen Kulturproduzenten oder im so genannten Web 2.0 von den Konsumenten selbst gratis angeboten werden. Da aber zeigt sich die parasitäre Wirkung des Internet ganz deutlich. Denn was bisher über das Netz transportiert wurde, waren nur Klone traditionelle Inhalte und Formen. Die vielgelobten Blogs und Sammelportale wiederum tun in den meisten Fällen nichts anderes, als traditionelle Inhalte durch eine Zweitverwertung noch weiter zu entwerten.
Naja. Indem ich, andere Blogger und natürlich Google den Kreye-Artikel verlinken, schaufeln wir SZ Online ein paar mehr PIs auf die Seite. Das freut die Bannerverkaufsabteilung, die nun den Anzeigenkunden höhere Preise abknöpfen kann. Was wiederum den Autoren der SZ zugute kommt. Die meisten Blogeinträge beziehen sich auf Artikel der Massenmedien, da sollten die sich eigentlich freuen und nicht Blogger immer als digitale Schmutzfinken brandmarken. Blogger entwerten keinesfalls Texte, indem sie kommentieren. Sie teilen ihre Gedanken mit anderen und bereichern so die Diskussion. Ok, ok, es gibt viele Blogs, da steht nur Müll drin. Ich zitiere hier gern Leonhard Dobusch: “Herrgott, 90 Prozent von allem ist Müll! Das ist bei Blogs nicht anders.”
Die Macht von Gatekeepern beklagt Kreye auch:
Was da als Demokratisierung und Befreiung gefeiert wird, ist letztendlich die Entwertung einer Kulturproduktion, die einer Industrie zu Gute kommt, die Kulturgüter als “Content” versteht, sowie Autoren und Kreative als “Content Provider”, als Inhaltslieferanten betrachtet. Es sind vor allem die Telekomriesen, die am Internet verdienen, weil sie den Zugang zu einer Verwertungskette verkaufen, in der selbst die Werbung nur ein zweiter oder dritter Schritt ist.
Stimmt. Nicht nur Telekomriesen, vor allem Google ist doch der größte Parasit aller Zeiten: Der Suchmaschinenengigant erschafft nix, bietet nur Zugang zu Inhalten - und verdient sich damit dumm und dämlich. Google News ist weltweit der größte Nachrichten-Anbieter, aber die beschäftigen keinen einzigen Journalisten. Das ist doch verrückt!
Das permanente Gestänkere gegen Blogs & Co. seitens Repräsentanten der Offline-Welt entspringt meiner Meinung nach einer tiefen Demütigung. Die Holzmedien samt Brockhaus und Andrian Kreye müssen sich längst die Lufthoheit über die öffentliche Meinung/Märkte mit Wettbewerbern aus dem Netz teilen. Das schmerzt. Wenn man nicht mehr der einzige Held auf dem Bolzplatz ist, sondern plötzlich viele mitkicken und manchmal auch treffen. Und jetzt hat die Wikipedia den 200 Jahre alten Brockhaus ganz vom Platz gefegt. Und die Schrankwandindustrie gleich mit.
February 17th, 2008
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Axel und Phil tüfteln an einem Crypto-Musical. Was das werden soll, ist noch nicht raus, das Projekt wächst momentan in einer Art Geheim-Wiki, das ich jetzt öffentlich machen darf. Exklusiv für die geschätzten commonspage-Leser ein Blick in die Musicalwerkstatt:
Crypto-Musical
Ein Musical um den HörerInnen den Sinn und die Sinnlichkeit von Verschlüsselung in Form akustischer Reize näher zu bringen.
AkteurInnen
- Alice (will doch nur eine Nachricht an Bob senden)
- Bob (lebt Tür an Tür mit Alice)
- Eve (will gerne die ausgetauschen Nachrichten mithören)
- Mallory (lebt vom Fälschen und Verändern von Nachrichten)
Songlist (Covers)
-
- The Sound of Surveillance ( The Sound of Silence - Paul Simon & Art Garfunkel )
- Walk like an Encryption ( Walk like an Egyptian - The Bangles )
- Hello? Is it me you’re looking for? (Hello - Lionel Richie)
- Retention Song ( Redemption Song - Bob Marley)
- I’m About To Gain Control And I Think I Like It ( I’m So Excited - The Pointer Sisters)
- Can’t Hack This (Can’t touch this - Mc Hammer)
- Tape Me (Rape Me - Nirvana)
- I Put An Eye On You (I Put A Spell On You - Creedence Clearwater Revival)
- Junge Trojaner (Junge Römer - Falco)
- Sitting, Waiting, Fishing (Sitting, Waiting, Wishing - Jack Johnson)
Weitere Vorschläge? Bitte ins Wiki oder hier fix in die Kommentare.
January 16th, 2008
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Kam gestern über die echo-Mailingliste von Christoph Twickel:
http://www.byte.fm/
..unter dieser Adresse könnt ihr euch ab heute 12 Uhr in das erste
unverdudelte, engagierte und mit lauter Liebe zur Musik gemachte Webradio
der Republik einloggen. Sendungen und Mixe von Ruben Jonas Schnell, Klaus
Walter, Jan Möller, dem Sunday Service-Team, Oliver Schrader, Andrea Ritter,
Christoph Twickel und vielen anderen.
support your independent media!
Da haben die Initiatoren mal eben so ihr eigenes Webradio aufgemacht. Habe gestern kurz reingehört. Meine Ohren und ich, wir drei, hatten eine gute Zeit. Stream hakelt ab und an. Auch die Leute vom Sunday Service sind dabei, mit denen ich jahrelang die Montagabende verbracht habe.
Ole F. wies auf der gleichen Mailingliste darauf hin, dass byte.fm nicht ganz so doll independent ist.
unabhängiges medium, finanziert u.a. von panasonic:
Neues Web-Radio am Start
Der NDR-Info-Moderator Ruben Jonas Schnell bringt im Januar 2008 ein
neues Web-Radio on air. Byte.FM nennt sich das Projekt, das derzeit
im Hamburger Medienbunker entwickelt wird. Der Schwerpunkt des
Programms liegt neben dem Musikangebot auf Informationen zu
Interpreten und Titeln. Erste inhaltliche Kooperationspartner sind
das Magazin für Popkultur Spex, die taz und das Musikmagazin
Tonspion. Positionieren will sich Byte.FM dabei im Bereich der
modernen Popmusik. Inhaltlich wird das Web-Radio neue Platten und
Bands vorstellen, Interviews senden und seine Hörer auch mit
Informationen aus der Musikszene versorgen.
Durch das Programm werden Moderatoren wie Klaus Fiehe (WDR), Gudrun
Gut und Thomas Fehlmann (Radio1/Ocean Club) führen. Finanzieren soll
sich das Projekt unter anderem über Subventionspartner. Mit an Bord
ist bereits Panasonic.
Quelle: wuv. OK, das FSK ist mehr independent. Ist byte.fm darum doof? Nein. Hängt davon ab, was sie senden. Einen Blog hat der Sender auch. Ich kaufe mir ein IP-Radio.
January 12th, 2008
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Hardcore-Fans freier Software versuchen oft auf diese Art, Nutzer proprietärer Software zu bekehren: “Waaaaas? Du benutzt immer noch Windows? Wie minderbemittelt bist du eigentlich?!” Aus eigener Anschauung weiß ich: Die Strategie ist selten (nie) von Erfolg gekrönt. “Bekehren” ist sowieso der falsche Ansatz. Man muss verführen. Mit einfachen zu installierenden & bedienbaren Anwendungen. Und man muss den Leuten (vor allem den Mädels) die Angst nehmen. Viele denken nämlich immer noch, dass der Einsatz freier Software ein Informatiker-Grundstudium erfordert. Das war mal so, aber mit (K)Ubuntu (Danke Mark!) und z. B. der Bloggersoftware Wordpress sind die Zeiten vorbei.
Das ist eine der Lehren, die Axel und ich aus dem “Open Sources” Workshop ziehen, den wir im Rahmen der Medienwerkstatt der Sozialistischen Jugend Linz gegeben haben. Wordpress fanden alle Teilnehmer super. Wikis auch. Die Grundidee freier Software sowieso.
Beim Thema freie Inhalte gab es auch noch einige interessante Offenbarungen - dazu vll. später.
PS: Mit Jugendlichen arbeiten ist super. Ist aber auch anstrengend, wenn 140 Jugendliche um einen herumtoben. Ich könnte problemlos eine Woche nachschlafen.
PPS: Sachertorte ist überbewertet.
January 11th, 2008
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Gebe gerade zusammen mir Axel einen Workshop zu freier Software & freien Inhalten. Stellen auch Rss vor. Frage: Kann jemand einen freien, webbasierten Feedreader empfehlen? Ich habe das Internet schon fast durchgelesen und finde nix ordentliches. Ich persönlich nutze den Google Feedreader - jaha doch, ich begehe täglich und wissentlich den datenschutztechnischen Supergau… Aber der Reader ist so intuitiv bedienbar… ihr wisst schon… doch wir möchten den österreichischen Polit-Nachwuchs nicht noch ärger in die Fänge der Datenkrake treiben.
January 4th, 2008
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Ich bin da und freue mich aufs Feiern. Wer hat sich das mit den Uhrzeiten ausgedacht? Macht man das in Berlin so? Hat das einen tieferen Sinn?
December 10th, 2007
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Das ist aber sehr nett und selbstlos von Johnny Haeusler: Er erklärt anlässlich des Relaunch von musikindustrie.de eben dieser Industrie ihren Job. Lesenswerter Artikel.
I. Realitäten erkennen
Zur Vermeidung von unnötigen Ausgaben, Energieverschwendung und weiteren Werbekampagnen, die eine ganze Branche zum Gespött der Leute machen, sollten folgende Sätze auswendig gelernt werden:
1. Das Internet geht auch dann nicht nicht weg, wenn man sich ganz doll die Augen zuhält.
2. Die korrekte Schreibweise für „sich mit dem Verkauf von Tonträgern dumm und dämlich verdienen“ lautet „Vergangenheit“. Einzige Ausnahme: Steve Jobs. Für ihn lautet sie „iPod“.
3. Wir waren Händler. Jetzt sind wir Dienstleister.
4. Siehe 3.
November 28th, 2007
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Vom 27. bis 30. Dezember im Berliner BCC am Alex. Alle Infos hier. Ich bin eingeladen, dort einen Vortrag über “Digital Sustainability” zu halten:
Happy digital world: Everything is information, and it grows by sharing. Scarcity seems to be a problem of the “meatspace”. On the internet, there is space for everybody, for every activity and for every opinion. Really? This lectures explores the power of intellectual property rights, the principle of net neutrality and surveillance issues and explains their impact on everyday (digital) life. The net as we know it is in danger. What is needed to make it stay a resource which is valuable, open and free for everybody? How could a concept of digital sustainability look like?
Freue mich, wenn vielleicht einige Leser dieses Blogs vorbeischauen. Die Chaos-Kongresse lohnen einen Besuch, ich war bei zweien, auch schon mal als Referentin, und da trifft man immer auf spannende Menschen und Themen. Es ist keine Supernerd-Veranstaltung für Eingeweihte, sondern offen und interessant für alle, die sich mit digitalen Medien beschäftigen. Leider immer viel zu wenig Frauen da, darum Sondereinladung: Vorbeikommen, sonst verpasst ihr was!
Programm, kurz durchgescannt: Wahlmaschienen/stifte sind ein großes Thema.
November 25th, 2007
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Aus dem Inhaltsverzeichnis der Computerbild: “1 Jahr Vista - ein Jahr Probleme”. Microsoft arbeitet hart daran, den Marktanteil von Desktop-Linux-Systemen zu erweitern, wenn auch unfreiwillig. In den letzten Monaten haben mir diverse Menschen, die ich niemals mit der freien Software-Welt in Verbindung gebracht hätte, in den höchsten Tönen von Ubuntu vorgeschwärmt. Auf Mac scheinen auch viele umzusteigen. Die c’t hatte da mal eine Titelgeschichte. Mich persönlich erinnert das Mac-Design an meine Zahnarztpraxis und das Getue um die Maschinen finde ich auch ziemlich anstrengend. Die Leute, die früher auf ihre Chiemsee-Pullover stolz waren, geben heute gern mit ihren schneeweißen Rechnern an. Ich schmähe Macs gern als Chiemsee-Rechner. Obwohl, zugegeben, die Dinger wirklich gut sein sollen.
November 25th, 2007
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