brand eins über Urheberrecht
Matthias Spielkamp hat in der Märzausgabe der brand eins einen lesenswerten Artikel über die Tücken des Urheberrechts geschrieben:
IM NAMEN DES SCHÖPFERS
Das neue Urheberrecht sollte die Verfassung des digitalen Zeitalters werden. Doch es nützt vor allem den Medienkonzernen und Anwälten.
Ist aber erst im April online. Matthias hat einen Auszug in seinem Blog veröffentlicht:
„Es gibt viele Bereiche, in denen das Urheberrecht weder die Interessen der Kreativen noch jene der Allgemeinheit ausreichend zu berücksichtigen vermag“, sagt Reto Hilty. Hilty ist Direktor des Max-Planck-Instituts für Geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Steuerrecht in München, dem führenden deutschen Forschungsinstitut, wenn es ums Urheberrecht geht. Sein Wort findet in der Szene Gehör, auch im Bundesjustizministerium. Aber offenbar nicht genug. Denn, so Hilty, geprägt werde die Urheberrechtspolitik von Unternehmen wie EMI, Sony-BMG und den großen Hollywoodstudios, Großverlagen wie Bertelsmann/Random House und Softwaregiganten wie Microsoft. Hiltys Forderung: „Wir müssen ehrlicher diskutieren, was Sache ist. Es ist doch absurd, dass in der ganzen politischen Diskussion immer und allein vom ‚Urheber’ die Rede ist. Gemeint ist damit aber nicht der Kreative, sondern in aller Regel eben die Urheberrechtsindustrie. Die hat gewiss in vielen Fällen gute Gründe, sich für ihren eigenen Rechtschutz einzusetzen, im Filmbereich zum Beispiel werden durchaus große Summen Geld investiert, die irgendwie auch wieder amortisiert werden müssen.“ Doch der Schutz hungerleidender Schöpfer“, sagt Hilty, komme dabei zu kurz.
Erfrischend deutlich. Danke! Matthias schildert auch den Fall des Filmemachers Virgil Widrich, der gegen YouTube vorging, weil sein Kurzfilm “Fast Film” dort abrufbar war. Was ich dabei nicht verstanden habe: YouTube hat dafür gesorgt, dass der Verkauf der Fast-Film-DVD sprunghaft angestiegen ist. Warum geht er dann gegen die Videoplattform vor? Er hat doch davon profitiert, das sein Film frei verfügbar war. Ok, es gab über 51.000 Downloads, und das hat ihm keiner vergütet. Sowas wie eine Kulturflatrate haben wir leider nicht. Aber ohne YouTube hätte er die DVDs eben auch nicht so gut verkauft. Übrigens: der Film steht da immer noch. Wirklich schön. Aber was für eine miserable Qualität - jeder echte Filmfan ordert, einmal angefixt, flugs die DVD. Da liegt der Hase im Pfeffer bzw. das Geld im Internet.
Und wo ich schon dabei bin: Matthias’ Artikel über den Hackerparagraphen (brand eins 01/2007) ist mittlerweile online einsehbar. Genauso lesenswert.
DAS TROTZKOPF-PRINZIP
Die Bundesregierung will den Besitz von Programmen bestrafen, mit denen sich Schaden anrichten lässt.
Dummerweise soll das auch für Sicherheitsfachleute gelten.
Die IT-Branche kämpft in seltener Einigkeit gegen den Plan – vermutlich vergeblich.
2 comments March 6th, 2007