Twarotzer

December 21st, 2008

“Was?? Du twitterst nicht?” Ungläubiges Entsetzen auf der letzten re:publica, weil ich dieses Microblogging-Dings nicht mache. Und trotzdem mein Leben meistere. Fortan wurde ich von manchen wie ein Internetausdrucker behandelt. Kein Problem, bin nicht nachtragend. Torsten hat mir damals den Tipp gegeben, Twitter als soziales Experiment zu verstehen und mal auszuprobieren. Mache ich seit ein paar Wochen. Erstaunlich, die Twittercrowd. Ich blicke zwar immer noch nicht, was die Leute toll daran finden, die Welt an ihrem Leben teilhaben zu lassen - aber ich bin extrem neugierig und lese manche Tweets gerne. Ich bin ein Twarotzer (Twitter-Schmarotzer), lese viel und schreibe nix. Auf der Plusseite: Twitter ist eine praktische Quelle für gute Linktipps, aktuelle Diskussionen. Um in das Leben von Menschen zu schauen, die man schätzt, aber selten trifft. Man erfährt, wie Leute ticken. Wer mit wem befreundet ist (der Gala-Effekt). Minusseite:  Das Fremdschämen, wenn Leute über ihre anscheinend desaströsen Beziehungen twittern. Uninteressante Alltags-Tweets.

Mario Sixtus hat mal getwittert, dass der Dienst das ultimative Versprechen sei, nie mehr einsam zu sein. Was für eine Horrorvorstellung - Twitter und ich werden niemals Freunde. Ich bin gerne für mich. Gibt es schon Sozialstudien zu Twitterern? Hier meine Vorurteile Theorien:

Der durchschnittliche Twitterer ist

1. Single
2. Single mit Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom
3. Single mit Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom und ausgeprägtem Selbstdarstellungstrieb

Der durchschnittliche Follower ist

1. Neugierig
2. Neugierig und beim BND

Entry Filed under: Datenschutz, Netzkultur

9 Comments Add your own

  • 1. Benni Bärmann  |  December 21st, 2008 at 11:19 pm

    “einsam” is ja nun was ganz anderes als “für sich sein”. Aber natürlich auch was anderes als vertwittert. Ausserdem sollte man natürlich die open-source/open-content-alternative laconica bzw. bleeper.de nicht unerwähnt lassen.

  • 2. Alexander  |  December 22nd, 2008 at 1:43 am

    Ob sich der durchschnittliche Twitterer und der typische Blogger, von dem in Papiermedien so oft zu lesen ist, wohl gut verstehen?

    (Ich mach mir ja nur Sorgen, weil ich 8,3 Prozent Deiner Following-Liste bin! :))

  • 3. Meike  |  December 22nd, 2008 at 9:57 am

    @Alexander: Gefühlt bekommt nur der einen Twitter-Account, der einen Blog besitzt. Vermutlich fühlen sich der durchschnittliche Blogger und der durchschnittliche Twitterer in durchschnittlicher Hassliebe miteinander verbunden.

    Und bitte keine Sorgen machen!

  • 4. Julian  |  December 22nd, 2008 at 11:43 am

    ADS hat nichts damit zu tun, dass man gerne mehr Aufmerksamkeit hätte. Vielmehr fällt es einem schwer, selbst aufmerksam zu sein. Ob es einen Fachterminus für chronischen selbstdarstellungstrieb gibt ist mir nicht bekannt.

  • 5. Meike  |  December 22nd, 2008 at 2:42 pm

    @Julian: Genau! Twitterer können sich nicht lange auf Gesprächspartner im RL konzentrieren und klinken sich für die Dauer von 140 Zeichen gerne aus Gesprächen aus, dann steigen sie falsch wieder ein.

  • 6. jo  |  December 23rd, 2008 at 9:20 am

    @Meike: Twitterer entwickeln bzw. verfügen, genau wie SMS-Nutzer oder auch Werbetexter, über die Fähigkeit, Sachverhalte in maximal 140 Zeichen zu beschreiben. Das sagt zunächst wenig über die Tiefe der Kommunikation (vgl. Haikus bzw. die Tweets von frank93), oder Defizite in anderen Bereichen aus.

    Ob Alltags-Tweets pauschal uninteressant sind, mag jeder für sich entscheiden (es gibt ja auch die knallharten Businesstwitterer, die ihrer Follower nicht über jeden Stuhlgang informieren). Grundsätzlich ist es erstmal Kommunikation, imo gut vergleichbar mit Flurfunk/Smalltalk im Büro. Da wir - weltweit vernetzten Menschen - selten das gleiche Büro und oft nicht einmal den gleichen Flur bevölkern, halt öffentlich, halböffentlich (weil codiert) oder gar nicht öffentlich (geschlossene Followerliste) via Internet.

    Ob das nützlich, informativ oder vielleicht karriereschädigend ist, müssen’mer wohl erst noch lernen. Wie so vieles im Leben.

    PS: Irgendwie habe ich das Gefühl gerade über ein provozierend hingehaltenes Stöckchen gesprungen zu sein.

  • 7. jo  |  December 23rd, 2008 at 9:21 am

    bzw. “halböffentlich (weil codiert und pseudonym)”.

  • 8. Microblogging-Experiment,&hellip  |  January 9th, 2009 at 8:36 pm

    […] bin ich nicht nur bei Twitter, sondern auch auch identi.ca. Die Registrierung hat sich allein schon deshalb gelohnt, weil der […]

  • 9. Henning  |  January 11th, 2009 at 6:22 pm

    Lies mal nach, was ADS ist.

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