Posts filed under 'Urheberrecht'
Playmobil pfeift auf die Kunstfreiheit und pocht darauf, selbst zu entscheiden, wer was mit seinen Firguren anstellt - im Namen des Urheberrechts. Ein Video mit trinkende Playmobilfiguren in der Disco, die zu den Klängen des Songs “I sexy” über die Tanzfläche schieben? Das wollen sie verbieten. Hintergründe bei netzpolitik.org und beim betroffenen Hamburger Künstler Plemo. Bei YouTube gibt es einen Ausschnitt aus dem Video.
March 9th, 2008
Dieser Gedanke beschäftigt mich, seit ich weiß, dass der Brockhaus den Wikipedia-Weg geht und kostenlos im Netz veröffentlicht wird. Wahrscheinlich stellt der Verlag die Offline-Version der Enzyklopädie ganz ein. Gut, der Brockhaus lebt im Netz weiter - hoffentlich. (Soll sich über Werbung finanzieren, und das schaffen bekanntlich die wenigsten. Toi, toi, toi an dieser Stelle.) Aber was wird aus der Schrankwandindustrie? Die ist ja auf die dicken Bände und die Offline-Welt angewiesen.
In der Süddeutschen vom 14. Februar dagegen sorgt sich Andrian Kreye anlässlich der Brockhaus-Nachricht über die fortwährende Entwertung kultureller Arbeit/Kunst durch das Internet.
Das Internet aber ist zunächst einmal ein Medium, das auf einem Geschäftsmodell gegründet wurde, in dem die Inhalte von Anfang an einem rapiden Prozess der Entwertung ausgesetzt waren. Weil aber auch ideelle Werte eine ökonomische Grundlage brauchen, führt die rasante Entwicklung der neuen Medien dazu, dass traditionelle Kulturformen verschwinden. So wie nun die Enzyklopädien.
Hat er teilweise Recht. So faszinierend das Netz ist und was die Leute damit anstellen - Kulturproduzenten ist die Kontrolle über die Verbreitung ihrer Werke genommen, die kriegen sie auch niemals wieder, alte Geschäftsmodelle brechen weg. Die neuen stecken noch in der Experimentierphase, und wer nicht herumprobiert, ist draußen. Siehe Brochkaus. Es gibt aber interessante Beispiele, die zeigen, dass Internet und Kulturproduzenten Freunde werden können: Bands geben ihre Musik umsonst im Netz weg und verkaufen trotzdem massenhaft CDs, siehe Radiohead. Oder das Cory-Doctorow-Modell: Alle seine Bücher stehen frei auf seiner Webseite, trotzdem erleben sie eine Auflage nach der anderen. Und obwohl Filme im Netz stehen, gehen die Leute immer noch ins Kino. Kino ist eben ein sozialer Ort, ein Freitagabendritual.
Kreye schimpft über “parasitäre” digitale Strukturen:
An diesem Modell hat sich nur insofern etwas geändert, dass sich die Inhalte im Internet vervielfacht haben und nun zumeist von den traditionellen Kulturproduzenten oder im so genannten Web 2.0 von den Konsumenten selbst gratis angeboten werden. Da aber zeigt sich die parasitäre Wirkung des Internet ganz deutlich. Denn was bisher über das Netz transportiert wurde, waren nur Klone traditionelle Inhalte und Formen. Die vielgelobten Blogs und Sammelportale wiederum tun in den meisten Fällen nichts anderes, als traditionelle Inhalte durch eine Zweitverwertung noch weiter zu entwerten.
Naja. Indem ich, andere Blogger und natürlich Google den Kreye-Artikel verlinken, schaufeln wir SZ Online ein paar mehr PIs auf die Seite. Das freut die Bannerverkaufsabteilung, die nun den Anzeigenkunden höhere Preise abknöpfen kann. Was wiederum den Autoren der SZ zugute kommt. Die meisten Blogeinträge beziehen sich auf Artikel der Massenmedien, da sollten die sich eigentlich freuen und nicht Blogger immer als digitale Schmutzfinken brandmarken. Blogger entwerten keinesfalls Texte, indem sie kommentieren. Sie teilen ihre Gedanken mit anderen und bereichern so die Diskussion. Ok, ok, es gibt viele Blogs, da steht nur Müll drin. Ich zitiere hier gern Leonhard Dobusch: “Herrgott, 90 Prozent von allem ist Müll! Das ist bei Blogs nicht anders.”
Die Macht von Gatekeepern beklagt Kreye auch:
Was da als Demokratisierung und Befreiung gefeiert wird, ist letztendlich die Entwertung einer Kulturproduktion, die einer Industrie zu Gute kommt, die Kulturgüter als “Content” versteht, sowie Autoren und Kreative als “Content Provider”, als Inhaltslieferanten betrachtet. Es sind vor allem die Telekomriesen, die am Internet verdienen, weil sie den Zugang zu einer Verwertungskette verkaufen, in der selbst die Werbung nur ein zweiter oder dritter Schritt ist.
Stimmt. Nicht nur Telekomriesen, vor allem Google ist doch der größte Parasit aller Zeiten: Der Suchmaschinenengigant erschafft nix, bietet nur Zugang zu Inhalten - und verdient sich damit dumm und dämlich. Google News ist weltweit der größte Nachrichten-Anbieter, aber die beschäftigen keinen einzigen Journalisten. Das ist doch verrückt!
Das permanente Gestänkere gegen Blogs & Co. seitens Repräsentanten der Offline-Welt entspringt meiner Meinung nach einer tiefen Demütigung. Die Holzmedien samt Brockhaus und Andrian Kreye müssen sich längst die Lufthoheit über die öffentliche Meinung/Märkte mit Wettbewerbern aus dem Netz teilen. Das schmerzt. Wenn man nicht mehr der einzige Held auf dem Bolzplatz ist, sondern plötzlich viele mitkicken und manchmal auch treffen. Und jetzt hat die Wikipedia den 200 Jahre alten Brockhaus ganz vom Platz gefegt. Und die Schrankwandindustrie gleich mit.
February 17th, 2008
Edgar Bronfman, Musikchef von Warner, hat sich rhetorisch aus dem Fenster gelehnt. Warner Music hat Tauschbörsen und das Internet lange ignoriert, bekämpft, kriminalisiert. Dieses Zitat lässt hoffen, dass sie es jetzt vielleicht mal mit einer anderen Strategie probieren.
Nun warnte Bronfman die Mobil-Industrie davor, dieselben Fehler wie die Musikindustrie zu machen. Deren Verweigerung gegenüber digitalen Zeitalters habe zum Krieg zwischen Musiklabels und Verbrauchern geführt. Dabei hätten sie den Verbrauchern nur nicht das geboten, was sie haben wollten, weshalb diese auf die Filesharing-Portale ausgewichen seien. Und das Ende vom Lied sei, dass der Verbraucher der Gewinner sei, sagte Bronfman.
Der ganze Artikel bei heise. Edgar, wir könnten Freunde werden.
November 19th, 2007
Urheberrecht + Internet = Streit, viele involvierte Anwälte und sehr, sehr teuer für die beteiligten Parteien. Das ist seit Jahren der Stand, und irgendwie sind es alle leid, unterstelle ich mal. Die Urheberrechtsverletzer, weil bei derlei juristischen Geplänkeln diverse Monatsgehälter draufgehen, und die Musikindustrie, weil sie immer die Bösen sind. Kinder und Jugendliche kriminalisieren und potentielle Kunden verklagen - das kann einfach keinen Spaß machen. Vor dem Hintergrund, dass sie die Strategie seit rund zehn Jahren fahren und Filesharing etc munter weiterbetrieben wird, muss das alles doppelt frustrierend sein.
Umso interessanter, dass man es zum Start des deutschen YouTube-Ablegers mal anders probiert. Die GEMA - die ja kollektiv die Rechte der Urheber/Verwerter wahrnimmt - einigt sich mit der Videoplattform:
YouTube LLC, Betreiber der beliebten Online-Video-Community YouTube, und die GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) haben nach langen Verhandlungen eine entscheidende Einigung erzielt. Die Vereinbarung berechtigt zur Nutzung des Weltrepertoires musikalischer Werke auf der YouTube Plattform. Diese Einigung ermöglicht die Musiknutzung sowohl in Musikvideos als auch in den von Nutzern erstellten Videos.
„Wir begrüßen den Start von YouTube in Deutschland und freuen uns sehr über diese wichtige Einigung“, erklärt Harald Heker, Vorstandsvorsitzender der GEMA. „Auf dieser Grundlage können deutsche YouTube-Nutzer das Weltrepertoire der Musik auf YouTube genießen. Gleichzeitig schafft sie einen Ausgleich für Musikautoren und -verlage, die von der GEMA vertreten werden. Dies zeigt, dass bei Web 2.0 Diensten für alle beteiligten Seiten faire Vereinbarungen getroffen werden können.“
Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, Daumen hoch! Till Kreutzer schreibt darüber auf irights.info und weist auch darauf hin, dass 100%ige Rechtssicherheit immer noch nicht gegeben ist:
Es gibt allerdings noch den einen oder anderen Haken: Vollständig legal ist es in vielen Fällen weiterhin nicht, Musik auf YouTube zu nutzen, obwohl die GEMA zustimmt. Denn an Musikaufnahmen besteht eine Vielzahl an Rechten. Die GEMA kann nur über die (Urheber-)Rechte der Musikverleger, Komponisten und Textdichter verfügen, also erlauben, dass Kompositionen und Texte verwendet werden.
Trotzdem eine bemerkenswerte Neuigkeit. Das Netz ist eben nicht der natürliche Feind aller Urheber. Man muss sich nur Wege ausdenken, wie Kreative auch was davon haben, dass ihre Sachen via Netz genutzt und kopiert werden. Die Lösung “Alle gewinnen” ist sympathischer als “Alle bemühen die Gerichte” - oder?
November 17th, 2007
Die Literaturliste für das Seminar “Netzwerkgesellschaft und Nachhaltigkeit: die Teilhabe an der kulturellen Produktion” (zusammen mit Rolf Grossmann an der Leuphana Universität Lüneburg) steht. Im Kern soll es im Seminar darum gehen:
- Begriff von Nachhaltigkeit für die digitale Welt entwickeln. Weil: Konzept der Nachhaltigkeit ist auf die analoge Welt gemünzt und passt nicht auf digitale Umgebungen; Information wächst durch Teilung, Abwesenheit von Knappheit usw. Nur von nix kommt nix, also ich will sagen es gibt ja bestimmte Gründe, warum sich im Netz wertvolle, spannende, innovative Dinge/Anwendungen/Projekte/Files/Plattformen finden. Stichwort Code is law, Net Neutrality etc… Wie müssen die kulturellen, politischen, rechtlichen, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beschaffen sein, damit das Netz weiter der offene Abenteuerspielplatz bleibt, den wir so sehr lieben?
- wie schafft man mehr (digitale) Verteilungsgerechtigkeit?
- …
Hier die Literaturliste. Als Service für alle, die noch Material für ihre Magisterarbeit suchen.
Und wer ein paar Antworten weiß, der darf sie gerne posten.
READER:
Barlow, John Perry: A Declaration of the Independence of Cyberspace. Electronic Frontier Foundation
Boyle, James: Eine Politik des geistigen Eigentums: Umweltschutz für das Internet? In: Hofmann, Jeanette (Hg.): Wissen und Eigentum. Geschichte, Recht und Ökonomie stoffloser Güter. Bonn 2006, S. 21-38
Castells, Manuel: Informationalismus und die Netzwerkgesellschaft. In: Himanen, Pekka: Die Hacker-Ethik und der Geist des Informations-Zeitalters. München 2001, S. 179-204
Doctorow, Cory/ Richter, Meike: Kopieren als Chance. NDR Online vom 10. Oktober 2007
Dreier, Thomas/ Nolte, Georg: Einführung in das Urheberrecht. In: Hofmann, S. 41-63
Euler, Ellen: Creative Commons: Mehr Innovation durch die Öffnung des Urheberrechts? In: Drossou, Olga/ Krempl, Stefan/Poltermann, Andreas: Die wunderbare Welt der Wissensvermehrung. Wie Open Innovation unsere Welt revolutioniert. Hannover 2006, S. 147-158
Gehring, Robert A.: FOSS, die Firma und der Markt. In: Hofmann, S. 279-297
Heidenreich, Martin: Merkmale der Wissensgesellschaft (Papier für die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung). In: Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung u.a. (Hg.): Lernen in der Wissensgesellschaft. Innsbruck 2002, S. 334-363
Hofmann, Jeanette/ Katzenbach, Christian: Einleitung. In: Hofmann, S. 9-20
Krempl, Stefan: WOS 4: Geldverdienen mit freier Musik funktioniert
Krempl, Stefan: Weniger privat kopieren, mehr Vergütungspauschale zahlen
Kuhlen, Rainer: Napsterisierung und Venterisierung - Bausteine zu einer politischen Ökonomie des Wissens. In: PROKLA - Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft. 32, 4/2002. 2002
Lanier, Jaron: Digitaler Maoismus. Kollektivismus im Internet, Weisheit der Massen, Fortschritt der Communities? Alles Trugschlüsse
Luyt, Brendan: Who benefits from the Digital Divide?
Lovink, Geert: Zugriff verweigert.
O’Reilly, Tim: What is Web 2.0? Design Patterns and Business Models for the Next Generation of Software
Richter, Meike: Ende des Popcorn-Kinos? In: Directed. Februar 2007, Berlin, S. 26f
Spielkamp, Matthias: Andere Zeiten, andere Lizenzen.
WEITERFÜHRENDE LITERATUR
Castells, Manuel: The Rise of the Network Society. Second Edition. Oxford 2000
Grassmuck, Volker: Freie Software. Zwischen Privat- und Gemeineigentum. Bonn 2004
Ghosh, Rishab Aiyer: Code. Collaborative Ownership and the Digital Economy. Cambridge 2005
Haring, Bruce: MP3 - Die digitale Revolution in der Musikindustrie. Freiburg 2002
Kreutzer, Till: Das Spannungsfeld zwischen Wissen und Eigentum im neuen Urheberrecht. In: Hofmann, S. 109-140
Lessig, Lawrence: Free Culture. New York 2004
Röttgers, Janko: Mix, Burn & R.I.P.: Das Ende der Musikindustrie. Hannover 2003
Steinmetz, Ralf: Multimedia-Technologie. Grundlagen, Komponenten und Systeme. Berlin 1999
Der Sammelband “Wissen und Eigentum” von Jeanette Hofmann/Christian Katzenbach ist exzellent. Steht frei im Netz und kostet ansonsten nur 2 Euro. Die Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht in dem Themenbereich gute Sachen.
Allen Lesefaulen, die sich nie an die über 1000seitige Trilogie von dem Castells rangetraut haben, sei sein Aufsatz im Himanen-Buch ans Herz gelegt. Da erklärt er auf wenigen Seiten seine Theorie der Netzwerkgesellschaft. (Nein, ich habe die Trilogie auch nicht vollständig gelesen. Aber den ersten Band!)
October 22nd, 2007
Im November gebe ich wieder ein Seminar an der Leuphana Universität Lüneburg, zusammen mit Dr. Rolf Grossmann. Titel: Netzwerkgesellschaft und Digital Divide: die Teilhabe an der kulturellen Produktion. Dafür fuchse ich mich gerade in die Geschichte des Urheberrechts ein. In einem Text von Thomas Dreier und Georg Nolte (aus dem Sammelband “Wissen und Eigentum, auch als pdf zum runterladen) bin ich auf den “Bücherfluch” gestoßen. Bis ins Mittelalter gab es kein rechtlich durchsetzbares Urheberrecht. Raubkopieren war zwar verpönt, aber wenn beispielsweise ein Buch gegen den Willen eines Autors gedruckt wurde, konnte er nichts weiter tun als den Übeltäter zu verfluchen. Hier findet sich ein nette Flüche:
Steal not this book, my worthy friend
For fear the gallows will be your end;
Up the ladder, and down the rope,
There you’ll hang until you choke;
Then I’ll come along and say -
“Where’s that book you stole away?”
Auch schön:
For him that Stealeth a Book from this Library,
Let it change into a Serpent in his hand & rend him.
Let him be struck with Palsy, & all his Members blasted.
Let him languish in Pain crying aloud for Mercy,
Let there be no Surcease to his Agony till he sink to Dissolution.
Let Bookworms gnaw his Entrails in token of the Worm that dieth not,
When at last he goeth to his final Punishment,
Let the flames of hell consume him for ever & aye.
So, und wenn wir mal ehrlich sind, liebe Musikindustrie und überhaupt liebe Kreative: Heute ist die Situation nicht anders. Die Verbreitung urheberrechtlich geschützter Werke via Internet ist nicht zu unterbinden. Unmöglich. Theoretisch reicht ein einziges Werkexemplar, um die Internetuser der Welt damit zu versorgen. Ok, ihr könnt Tauschbörsennutzer verklagen, bis der Arzt kommt. Das Problem bleibt. So vielen Menschen kann man nicht die Anwälte auf den Hals hetzen, wie Tauschbörsen genutzt werden. DRM vergrault die Kunden, ist eine Sackgasse und scheint ja derzeit wieder auf dem Rückzig.
Kopierbarkeit ist kein Malheur des Internets, sondern seine Grundeigeigenschaft. Damit muss man leben lernen. Geschäftsmodelle anpassen. Die Verwertungsgesellschaften müssen darauf eingehen. Solange die Industrie so weiter macht wie bisher, landet viel Geld bei Anwälten, die sich mit den ganzen Rechtsstreitigkeiten goldene Anwaltsnasen verdienen. Den Urhebern bleibt das Fluchen. Ich bin ja nach wie vor Fan einer Kulturflatrate.
October 7th, 2007
Am 8. September (Samstag) halte ich einen Vortrag im Newthinking Store (Berlin).
Thema: “Free Culture? Ausbeutung 2.0 oder Aufbruch in die Netzwerkgesellschaft?”
Essen 400 Menschen einen Apfel, hat niemand etwas davon, am wenigsten der Apfel. Laden sich 400 Menschen einen File aus dem Netz, profitieren alle – vor allem das File: Immaterialgüter wachsen durch Teilung. Das Urheberrechtssystem Creative Commons trägt dieser Eigenschaft Rechnung und bietet den juristischen Rahmen für das freie Tauschen. Musiker, Filmemacher und Autoren experimentieren in digitalen Datenräumen mit alternativen Finanzierungs- Produktions- und Distributionsmodellen. Wo liegen die Chancen, wo die Risiken?
Ich möchte ein bisschen kulturwissenschaflich ins Thema einsteigen. Creative Commons & Co. gibt es nun schon einige Jahre, da kann man mal den Versuch wagen, das ganze kritisch aus diversen Perspektiven zu beleuchten. Was ich damit meine? Da müsst ihr schon vorbeikommen!
August 1st, 2007
Steffan Heuer schreibt in der neuen Technology Review über die Tücken, Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen zu bekommen, Open Access etc.
July 10th, 2007
Heute habe ich einem Profi-Fotografen, dem netten C., den Tag versaut, vielleicht ein bisschen sein Berufsleben. Obwohl nicht ich an seiner Misere schuld bin, ich habe ihm bloß gezeigt, was fotomäßig im Internet geht. Ihm wurde plötzlich klar, dass er sein Geschäftsmodelle einpacken und bei ebay versteigern kann oder so. Es ist nutzlos, nutzloser, am nutzlosesten.
Ich habe C. erklärt, was creative commons ist und ihm auf flickr exzellente Bilder gezeigt, die unter der By-Lizenz stehen, wo die Urheber also auch die kommerzielle Nutzung zulassen.
C.s hat erstmal Bauklötze über die künstlerische Qualität der Bilder gestaunt. (Ich auch, zugegeben. Manchmal habe ich schon den Eindruck, dass cc das Urheberrecht der Dilettanten ist. Es gibt viel Nichtgelungenes, was ich lieber nicht angesehen/gehört hätte. Das ist eben so, wenn jeder die Freiheit hat, sich künstlerisch auszudrücken.) Und dann ging ihm auf, dass auch seine potentiellen Kunden von den Bildern begeistert wären - und sie kostenlos nutzen würden, anstatt ihn als Fotografen zu engagieren und zu bezahlen.
Kann ein Hamburger Profi-Fotograf mit dem weltweiten Bilderpool flickr konkurrieren, wo es viele tolle Motive gibt, und immer auch welche, die sogar die kommerzielle Nutzung erlauben? Nein, da brechen Märkte einfach weg. Und auf seine entgeisterte Frage: “Aber warum geben die Leute ihre Sachen umsonst weg?” weiß ich nur die Antwort, dass man im Internet nicht durch den Verkauf von Informationen verdient. Es herrscht halt keine Knappheit, Information wächst durch Teilung. Und Bilder sind eben auch nur Einsen und Nullen.
Die Fotografen erwischt es härter als die Musiker, Filmemacher oder Autoren:
Musik
Seit Thinner, Jamendo, Magantune etc wissen wir, dass man sehr wohl Geld verdienen kann, obwohl das Produkt frei erhältlich ist. Plus: Ich zum Beispiel kaufe mir immer noch CDs, auch wenn ich alles umsonst haben könnte. Ich will halt im Booklet lesen, wem der Künstler dankt (der Mama, der Freundin, im Falle von Amerikanern noch Gott).
Film
Film und Kino, das ist immer auch ein soziales Ereignis, da geht man hin, auch wenn jeder Streifen nur wenige Clicks entfernt kostenlos zu haben ist. Oder man hat keine Lust, sich das bittorrent runterzuladen, das kann auch nicht jeder. Oder man gibt seinen Film frei weg via Internet, nutzt aber videohoster wie blip.tv, die die Filmemacher vergüten. Gibt anscheinend einen Werbemarkt dafür.
Texte
Für Autoren ist das Netz keine Bedrohung, sondern ein Segen - können sie es doch als Öffentlichkeitsplattform nutzen, und da niemand am Bildschirm ein Buch liest, kaufen sich alle sowieso ein gebundenes Exemplar. Hat Cory Doctorow in diesem Interview wunderbar erklärt.
Bilder???
Pffff, keine Ahnung, wird eng. Bedarf an Fotografen wird es immer geben, für Auftragsarbeiten, aber sowas wie Mottobilder für den Geschäftskatalog holen sich sich die ehemaligen Kunden dann für lau bei flickr.
Ist cc also böse und beraubt der knipsenden Zunft ihre Zukunft?
Nein. Es vollzieht sich ein Paradigmenwechsel, und Immaterialgüter wie digitale Fotografien passen nicht in analoge Denkschemata und Geschäftsmodelle. Die Fotografen müssen sich andere Einnahmequellen suchen. Das ist natürlich beunruhigend und beängstigend. CC ist nicht dafür verantwortlich, wie die Menschen das Netz nutzen. Man könnte den CC-Vordenkern höchstens vorwerfen, dass sie die positiven Aspekte der sharing-economy überbetonen, während schwierige Aspekte wenig diskutiert werden. Letztlich kann aber keiner verlangen, dass cc & co. die Probleme derer lösen, die versuchen, in der digitalen Welt genauso weiterzuarbeiten, wie sie das vor dem Internet gemacht haben.
Klingt wenig tröstlich? Ich weiß. Man muss halt herumexperimentieren. So gesehen habe ich vielleicht seinen Tag geretten - jetzt weiß er, was auf ihn zukommt und kann sich drauf einstellen ;-).
July 4th, 2007
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