Posts filed under 'Urheberrecht'

Bücherfluch

Im November gebe ich wieder ein Seminar an der Leuphana Universität Lüneburg, zusammen mit Dr. Rolf Grossmann. Titel: Netzwerkgesellschaft und Digital Divide: die Teilhabe an der kulturellen Produktion. Dafür fuchse ich mich gerade in die Geschichte des Urheberrechts ein. In einem Text von Thomas Dreier und Georg Nolte (aus dem Sammelband “Wissen und Eigentum, auch als pdf zum runterladen) bin ich auf den “Bücherfluch” gestoßen. Bis ins Mittelalter gab es kein rechtlich durchsetzbares Urheberrecht. Raubkopieren war zwar verpönt, aber wenn beispielsweise ein Buch gegen den Willen eines Autors gedruckt wurde, konnte er nichts weiter tun als den Übeltäter zu verfluchen. Hier findet sich ein nette Flüche:

Steal not this book, my worthy friend
For fear the gallows will be your end;
Up the ladder, and down the rope,
There you’ll hang until you choke;
Then I’ll come along and say -
“Where’s that book you stole away?”

Auch schön:

For him that Stealeth a Book from this Library,
Let it change into a Serpent in his hand & rend him.
Let him be struck with Palsy, & all his Members blasted.
Let him languish in Pain crying aloud for Mercy,
Let there be no Surcease to his Agony till he sink to Dissolution.
Let Bookworms gnaw his Entrails in token of the Worm that dieth not,
When at last he goeth to his final Punishment,
Let the flames of hell consume him for ever & aye.

So, und wenn wir mal ehrlich sind, liebe Musikindustrie und überhaupt liebe Kreative: Heute ist die Situation nicht anders. Die Verbreitung urheberrechtlich geschützter Werke via Internet ist nicht zu unterbinden. Unmöglich. Theoretisch reicht ein einziges Werkexemplar, um die Internetuser der Welt damit zu versorgen. Ok, ihr könnt Tauschbörsennutzer verklagen, bis der Arzt kommt. Das Problem bleibt. So vielen Menschen kann man nicht die Anwälte auf den Hals hetzen, wie Tauschbörsen genutzt werden. DRM vergrault die Kunden, ist eine Sackgasse und scheint ja derzeit wieder auf dem Rückzig.

Kopierbarkeit ist kein Malheur des Internets, sondern seine Grundeigeigenschaft. Damit muss man leben lernen. Geschäftsmodelle anpassen. Die Verwertungsgesellschaften müssen darauf eingehen. Solange die Industrie so weiter macht wie bisher, landet viel Geld bei Anwälten, die sich mit den ganzen Rechtsstreitigkeiten goldene Anwaltsnasen verdienen. Den Urhebern bleibt das Fluchen. Ich bin ja nach wie vor Fan einer Kulturflatrate.

3 comments October 7th, 2007

Ausbeutung 2.0 oder Aufbruch in die Netzwerkgesellschaft?

Am 8. September (Samstag) halte ich einen Vortrag im Newthinking Store (Berlin).

Thema: “Free Culture? Ausbeutung 2.0 oder Aufbruch in die Netzwerkgesellschaft?”

Essen 400 Menschen einen Apfel, hat niemand etwas davon, am wenigsten der Apfel. Laden sich 400 Menschen einen File aus dem Netz, profitieren alle – vor allem das File: Immaterialgüter wachsen durch Teilung. Das Urheberrechtssystem Creative Commons trägt dieser Eigenschaft Rechnung und bietet den juristischen Rahmen für das freie Tauschen. Musiker, Filmemacher und Autoren experimentieren in digitalen Datenräumen mit alternativen Finanzierungs- Produktions- und Distributionsmodellen. Wo liegen die Chancen, wo die Risiken?

Ich möchte ein bisschen kulturwissenschaflich ins Thema einsteigen. Creative Commons & Co. gibt es nun schon einige Jahre, da kann man mal den Versuch wagen, das ganze kritisch aus diversen Perspektiven zu beleuchten. Was ich damit meine? Da müsst ihr schon vorbeikommen!

1 comment August 1st, 2007

Mash-Up für Professoren

Steffan Heuer schreibt in der neuen Technology Review über die Tücken, Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen zu bekommen, Open Access etc.

Add comment July 10th, 2007

Hintergrund Urheberrecht

Wissenswertes und Hintergründe gebündelt auf Netzpolitik.

Add comment July 5th, 2007

Dem Fotografen den Tag ruiniert

Heute habe ich einem Profi-Fotografen, dem netten C., den Tag versaut, vielleicht ein bisschen sein Berufsleben. Obwohl nicht ich an seiner Misere schuld bin, ich habe ihm bloß gezeigt, was fotomäßig im Internet geht. Ihm wurde plötzlich klar, dass er sein Geschäftsmodelle einpacken und bei ebay versteigern kann oder so. Es ist nutzlos, nutzloser, am nutzlosesten.

Ich habe C. erklärt, was creative commons ist und ihm auf flickr exzellente Bilder gezeigt, die unter der By-Lizenz stehen, wo die Urheber also auch die kommerzielle Nutzung zulassen.

C.s hat erstmal Bauklötze über die künstlerische Qualität der Bilder gestaunt. (Ich auch, zugegeben. Manchmal habe ich schon den Eindruck, dass cc das Urheberrecht der Dilettanten ist. Es gibt viel Nichtgelungenes, was ich lieber nicht angesehen/gehört hätte. Das ist eben so, wenn jeder die Freiheit hat, sich künstlerisch auszudrücken.) Und dann ging ihm auf, dass auch seine potentiellen Kunden von den Bildern begeistert wären - und sie kostenlos nutzen würden, anstatt ihn als Fotografen zu engagieren und zu bezahlen.

Kann ein Hamburger Profi-Fotograf mit dem weltweiten Bilderpool flickr konkurrieren, wo es viele tolle Motive gibt, und immer auch welche, die sogar die kommerzielle Nutzung erlauben? Nein, da brechen Märkte einfach weg. Und auf seine entgeisterte Frage: “Aber warum geben die Leute ihre Sachen umsonst weg?” weiß ich nur die Antwort, dass man im Internet nicht durch den Verkauf von Informationen verdient. Es herrscht halt keine Knappheit, Information wächst durch Teilung. Und Bilder sind eben auch nur Einsen und Nullen.

Die Fotografen erwischt es härter als die Musiker, Filmemacher oder Autoren:

Musik
Seit Thinner, Jamendo, Magantune etc wissen wir, dass man sehr wohl Geld verdienen kann, obwohl das Produkt frei erhältlich ist. Plus: Ich zum Beispiel kaufe mir immer noch CDs, auch wenn ich alles umsonst haben könnte. Ich will halt im Booklet lesen, wem der Künstler dankt (der Mama, der Freundin, im Falle von Amerikanern noch Gott).

Film
Film und Kino, das ist immer auch ein soziales Ereignis, da geht man hin, auch wenn jeder Streifen nur wenige Clicks entfernt kostenlos zu haben ist. Oder man hat keine Lust, sich das bittorrent runterzuladen, das kann auch nicht jeder. Oder man gibt seinen Film frei weg via Internet, nutzt aber videohoster wie blip.tv, die die Filmemacher vergüten. Gibt anscheinend einen Werbemarkt dafür.
Texte
Für Autoren ist das Netz keine Bedrohung, sondern ein Segen - können sie es doch als Öffentlichkeitsplattform nutzen, und da niemand am Bildschirm ein Buch liest, kaufen sich alle sowieso ein gebundenes Exemplar. Hat Cory Doctorow in diesem Interview wunderbar erklärt.
Bilder???
Pffff, keine Ahnung, wird eng. Bedarf an Fotografen wird es immer geben, für Auftragsarbeiten, aber sowas wie Mottobilder für den Geschäftskatalog holen sich sich die ehemaligen Kunden dann für lau bei flickr.

Ist cc also böse und beraubt der knipsenden Zunft ihre Zukunft?

Nein. Es vollzieht sich ein Paradigmenwechsel, und Immaterialgüter wie digitale Fotografien passen nicht in analoge Denkschemata und Geschäftsmodelle. Die Fotografen müssen sich andere Einnahmequellen suchen. Das ist natürlich beunruhigend und beängstigend. CC ist nicht dafür verantwortlich, wie die Menschen das Netz nutzen. Man könnte den CC-Vordenkern höchstens vorwerfen, dass sie die positiven Aspekte der sharing-economy überbetonen, während schwierige Aspekte wenig diskutiert werden. Letztlich kann aber keiner verlangen, dass cc & co. die Probleme derer lösen, die versuchen, in der digitalen Welt genauso weiterzuarbeiten, wie sie das vor dem Internet gemacht haben.

Klingt wenig tröstlich? Ich weiß. Man muss halt herumexperimentieren. So gesehen habe ich vielleicht seinen Tag geretten - jetzt weiß er, was auf ihn zukommt und kann sich drauf einstellen ;-).

5 comments July 4th, 2007

iCommons 07: Gepiratetetete (?) freie Filme

Als Schmanckerl: Der Film “Starwreck - In the Pirkinning” steht unter einer freien creative commons-Lizenz, seine Macher haben ihn eigenhändig in p2p-Netze eingespeist. (Hintergründe hier.) Lustigerweise haben chinesische und russische Profi-Piraten den Film als DVD rausgebracht. Hier die Beweisfotos:

pirated_dvds_vorn.JPG

pirated_dvds_hinten.JPG

Haben Samuli und Stephen ziemlich stolz auf ihrem iCommons-Workshop herumgezeigt. Ist auch wirklich originell.

Ich habe den Film inzwischen auch gesehen - obwohl ich Starwars doof finde und überhaupt mit Science Fiction wenig anfangen kann, eher so aus professionellem Interesse. Und was soll ich sagen? Ich hatte einen 1a-albernen Fernsehabend! Allein die Eingangsszene: Der Emperor schreitet auf Kommandodeck und schleift einen Streifen Klopapier hinter sich her. Oder wie der Emperor mit einem Gamer-Joystick das feindliche Kampfschiff abschießen möchte. Genau meine Humorlage! Der Film ist gut, mit Liebe gemachter Nonsense. Die Kampfschiff-Weltallszenen sind beeindruckend. Positiv überrascht. Man muss ja schon sagen, die meisten freien Produktionen sind ja nicht immer Griffe in die Glückskiste der Unterhaltung - Starwreck ist ein Glücksgriff, eindeutig.

1 comment June 25th, 2007

Weltkarte Lizenzgebühren

Wem noch nicht klar ist, warum die G8-Staaten beim Gipfel den Schutz geistiger Eigentumsrechte auf der politischen Agenda ganz nach oben gesetzt haben, der schaue sich diese Karte von worldmapper an:

royalty.png

(c) map: worldmapper

“Over half (53%) of the value of all royalty and license fees paid in 2002 were received in one territory: the United States. Large proportions of these fees were also received in Japan and the United Kingdom.”

Mehr Infos hier. Die Fortsetzung der Kolonisierung mit anderen Mitteln.
Via Becky Hogg, machine envy.

Add comment June 24th, 2007

iCommons 07: Podcasts auf netzpolitik.org

Switching to German again, sorry for the Non-German-Speakers. Markus von netzpolitik.org hat interessante Interviews mit Vera Franz (Open Society Institute) and Lawrence Liang geführt. Letzterer kann seine Visitenkarten mit der Berufsbezeichnung “Piraterieforscher” zieren. Ich fand Lawrence Liang beeindruckend, und werde demnächst mal was von ihm lesen.

Add comment June 24th, 2007

iCommons 07: The ancient parabel of the Internet

Cory Doctorow is a dream come true as an interview partner. Very precise, puts not-easy-to- understand-internet-stuff-issues into words so that everybody gets the message. Since it will take time until I can transcribe the interview, here some quotes & essentials:

  • “The ancient parabel of the Internet: The more valuable a file is, the more widely distributed it becomes.”
  • “When 400 people eat an apple, noone benefits, especially the apple. When 400 people share a file, everyone benefits, especially the file.”
  • “It will never get harder to copy things. It will only get easier. And that’s good.”
  • “Of all the people who don’t buy my books today – most don’t buy them because they never heard of them. Not because someone gave them a free copy.”
  • “The problem for most authors is not piracy, it is obscurity.” (Cory cites Tim O’Reilly)
  • “I have so many friends now I never met. Because I live on the Internet.”

Add comment June 24th, 2007

iCommons 07: Lawrence Lessig steps into the second row

On the first day of the icommons summit, there was a moving moment during Lessigs speech. At the end, he announced that he would leave all the boards he was on (FSF, etc, see Markus’ post as well), and will only stay with creative commons. He said he dedicated 10 years of his life into fighting for a better copyright system and into creative commons, now it would be time to move on. He does not want to be a kind of “leader” of the free culture movement anymore, it would be time for others to continue. People stood up, clapping their hands, paying respect. It was moving.

lessig_success.JPG

I took this picture during his speech. I think the message is quite nice. Did the effect with Gimp. (I love free software, but I really don’t like Gimp, I always go lost when I use it - this time I found this effect and simply left it.)

Add comment June 17th, 2007

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